Ein Mahl doch den Spiegel vor;

Sie — die Weise waren,

Sehen selber Narren.

Der Vorhang fiel, und die ganze Gesellschaft äußerte ihren Beyfall mit lautem Händeklatschen. Leonardo, dem es gewaltig schmeichelte, zeigte sich bald, und erntete sein Lob ein. Besonders überhäufte ihn Louise damit, und alle ersuchten ihn, bald wieder ein kleines Stück zu verfassen, was er auch mit Mund und Hand versprach. Louise gab jedem Schauspieler zwanzig Realen, und Antonio lud sie auf den folgenden Tag zu sich zu Tische.

Louise war diesen Abend so nachsichtig, daß sie selbst über einen kleinen Schmatz, den er ihr zu rauben wagte, nicht ungehalten war. Um Antonio mit einer angenehmen Gegenunterhaltung zu überraschen, beschloß die weibliche Gesellschaft, ihm über acht Tage ein kleines Stück in demselben Saal’ aufzuführen, das sie schon vorlängst einstudiert hatte, und dessen Vorstellung nur durch den unvermutheten Tod Don Fernando’s gehindert worden war. Daß sich Louise die Hauptrolle vorbehielt, versteht sich von selbst. Der Tag der Vorstellung kam; die Gesellschaft war schon versammelt, und es fehlte nur mehr Antonio, als plötzlich Leonardo erschien, und Louisen meldete, daß sein Herr von dem Präsidenten des hohen Rathes in Geschäften Seiner Majestät abgerufen worden sey, und daß es ihm ungemein leid thue, eine so vortreffliche Gesellschaft und Unterhaltung entbehren zu müssen, und daß er ihn deßhalben mit zweyen seiner Freunde geschickt habe, um mit ihnen dem Schauspiele beyzuwohnen.

Louise bezeigte ihr Mißvergnügen über seine Abwesenheit, und die Komödie ward aufgeführt. Die Vorstellung war ein Meisterstück von Lebhaftigkeit: sie waren alle prächtig, und Louise als Mann gekleidet. Mogrobejo übertraf sich selbst an Munterkeit und Witz. Als sie schon alle wieder ihre vorige Kleidung anhatten, kam Antonio erst vom Präsidenten zurück, und war äußerst unmuthig, daß er das schöne Schauspiel versäumet habe, das ihm Leonardo und seine Freunde so reitzend schilderten. Nur Louise hatte ihr Mannskleid noch nicht abgelegt, um ihn an der Thür zu überraschen. Es ließ ihr so wunderschön, daß Antonio den holden Knaben nicht genug angaffen konnte. Louise bedauerte sehr, daß sie ihn vermißt habe, und gab ihm endlich ihr Wort, daß sie ihm wieder über acht Tage, in der Quinta des Connetable, ein anderes Stück geben wolle; nun treffe aber wieder ihn die Reihe, das Fest anzuordnen. Sie wußte wohl, daß er sich prächtig einstellen werde, und er nahm auch den Befehl mit Freuden an. Sie würden dann alle bey ihm ein kleines Abendschmäuschen halten, sagte er, und sie solle ihm nur auf einem kleinen Zettel anmerken, was sie zum Schauspiele vonnöthen habe. Er erhielt bey dem Besuche am nächsten Abend’ ein vollständiges Verzeichnis von Kleidungsstücken von sechs Personen: das Stück, das Mogrobejo in der Eile verfaßte, spielte in der Heldenzeit, und die Personen waren alle Prinzen und Prinzessinnen. Louise spielte einen jungen Helden, dem die Sclaven eine reiche Beute nachtragen. Am Ende des Zettels waren Federn, Ringe und falscher Schmuck nur hingeworfen. Louise hatte vorsetzlich falscher Schmuck geschrieben, weil sie gar nicht zweifelte, daß er wenigstens für ihre Person echten ausborgen würde.

Antonio mußte freylich täglich vor dem Rath’ erscheinen; indessen war doch aller Anschein, daß er denselben Tag würde los kommen können, und ließ denn den Saal, Erfrischungen, Abendschmäuschen, nebst allem übrigen, was zum Feste gehört, bereit halten.

Zwey Tage vor dem, der zum Schauspiele bestimmt war, schickte der Genueser die ganze Guarderobe. Louise hatte vermuthet, daß er höchstens die schönsten Kleider, die man allenfalls bey einem Trödler bekäme, ausborgen würde; er hatte aber zu ihrer allen größtem Erstaunen alles ganz neu verfertigen lassen. Alles war von Atlaß, Sammet, Taffet, oder anderem Seidenstoffe, und reich mit Gold und Silber verbrämt. Federn, Schnällchen, Blumen, Ketten und Ringe waren in Überfluß, und für Louisen versprach er den Schmuck, der sie zieren sollte, des Abends selbst mitzubringen. Er brachte auch wirklich den Schmuck mit, den ihm seine selige Gattinn hinterlassen hatte, und erklärte mit einem bedeutungsvollen Lächeln, daß er ungemein neugierig sey, wie Louisen dieser Schmuck seiner seligen Frau passen werde. Louise überhäufte ihn diesen Tag mit so vielen Liebkosungen, und wußt’ ihm dabey doch so sittsam zu schmeicheln, daß er seiner Hoffnung immer freyeren Spielraum ließ. Zwischen den zwey Tagen, bis zur Aufführung des Schauspiels, war unsere Gesellschaft gar nicht müßig, und Theodore machte Anstalt, daß in den beyden Nächten alles, was von Bedeutung im Hause wäre, aufgeräumt, und anders wohin in Sicherheit gebracht würde. Der Tag des Schauspiels erschien; Antonio’s Bediente waren schon in der Quinta, und bereiteten alles. Der Genueser war, um Zeit zu gewinnen, auf einem Maule in den Rath geritten. Theodora, ihre Töchter, Banuelos und Mogrobejo setzten sich in ihre Kutsche, nahmen allen Schmuck, und die ganze Guarderobe mit sich, und fuhren, anstatt zu Alcalathore hinaus, in ein kleines Häuschen, in Quartiere Santa Barbara, das Mogrobejo vorläufig gemiethet hatte. Hier nahmen sie augenblicklich andere Kleider; Mogrobejo führte den Wagen zu einem Sattler, um sein Äußeres so geschwind’ als möglich ändern zu lassen. Die Pferde wurden auch heimlich untergebracht; und um noch sicherer zu seyn, theilte sich unsere Gesellschaft in die ursprünglichen zwey Parteyen; die eine begab sich nach Illescas, und die andere nach Valdemoro. Sobald unser Genueser von dem Rath’ abgefertigt war, trappte er frohes Muthes, und in den schönsten Aussichten von der Welt, der Quinta zu. Er fand niemanden, als seine Bedienten, und die drey Köche, die er bestellt hatte, fragte nach den Damen, und als er hörte, daß sie noch nicht da wären, war er sehr unruhig; denn er dachte nichts anderes, als daß ihnen irgend ein Unglück begegnet seyn dürfte. Er stieg denn wieder auf seinen Maulesel, stieß ihm mit den Knien fleißig in die Lenden, und kam sehr geschwinde bey Louisens Haus’ an. Er fand die Wohnung gesperrt, erkundigte sich bey den Nachbarn, und vernahm, daß die ganze Familie schon abgefahren sey. Er kam nun auf den Gedanken, daß sie ihre Freundinnen abgehohlt haben würden, und so blieb ihm nichts übrig, als in der größten Verlegenheit, daß nun er vielleicht auf sich warten ließe, nach der Quinta zurück zu eilen. Er fand aber noch niemanden, und wußte nun nicht, was er von diesem langen Ausbleiben denken sollte. Er wartete bis neun Uhr in der peinlichsten Ungeduld, und es war noch niemand zu sehen und zu hören. Endlich trat ein Bedienter ein, und gab Antonio einen Brief, den ihm, wie er sagte, am Thor’ ein Unbekannter gegeben habe. Er brach ihn zitternd auf, und las:

„Bester Antonio, seyn Sie nicht bekümmert, daß Sie Ihre Nachbarinnen nicht finden; sie sind an einem Orte, wo man sie unmöglich finden kann. So viel für jetzt.“

Der Genueser stand da, wie vom Donner gerührt; er gerieth endlich in fürchterliche Wuth, und schwor allen, wenn sie ihn betrogen hätten, Tod und Verderben. Seine Bedienten mußten ihn wie einen Tieger bändigen, brachten ihn in den Wagen, und führten ihn nach Madrit. Auf dem Wege besänftigte er sich wieder etwas, und schloß aus den letzten Worten des Briefes: „So viel für jetzt,“ daß es vielleicht nur ein Scherz sey, und daß sie ihn vielleicht in seinem Hause erwarteten; er war aber nur zu bald vom Gegenteile überzeugt. Louisens Wohnung war auch noch versperrt, und er wartete nun am Hausthore bis lange nach Mitternacht, ob er ihre Ankunft nicht erwarten könnte; aber niemand kam. Er schlief die ganze Nacht nicht eine Secunde, und ließ sich mit Tages Anbruche bey Louisens Hausherrn, der noch im Bette lag, melden. Von diesem vernahm er denn, daß ihm Louise Tages zuvor die Schlüssel der Wohnung zurück gestellt, und ihm gesagt habe, daß sie sich Geschäfte halber nach Toledo begeben habe.