„Sie hat Ihnen aber ja die tausend Reale bezahlt,“ sagte Antonio.

„Was für Reale?“

„Die Jahresmiethe für die Wohnung.“

„Die Jahresmiethe? Die Wohnung war ja nur auf zwey Monathe gemiethet.“

„Wie sagen Sie?“ schrie Antonio, und war im ganzen Antlitze scharlachroth.

„Ich bin aber auch für diese zwey Monathe nicht bezahlt,“ sagte der Hausherr, „und Sie werden belieben, mich zu bezahlen.“

„Wer? Ich?“ schrie Antonio, und erstickte beynahe vor Wuth.

„Ja, Sie,“ sagte der Hausherr; „Sie werden doch nicht läugnen, daß die Dame bey Ihnen Gelder stehen hat; daß dieß hier Ihre schriftliche Anweisung ist?“

„Diebe! Mörder!“ schrie Antonio, und packte den Hausherrn bey der Brust, faßte sich aber doch gleich wieder, und sagte: „Vergeben Sie einem unglücklichen Manne, den man zum Bettler gemacht hat. Man hat Sie betrogen, wie mich. O ich Thor! ich Rasender! ich Narr! ich alter Sünder,“ — bey jedem dieser Titel schlug er sich mit geballter Faust vor die Stirn — „nun bin ich ein Bettler, bin auf ewig unglücklich.“

So weit war es eben nicht gekommen; indessen hatte ihn die schöne Wittwe, die nun wieder Jungfrau geworden war, nebst den sechs tausend Thalern, die ihr Grimaldi angewiesen hatte, um mehr als zwölf tausend Escudo’s geprellt. Der arme Antonio eilte zu dem Richter, schickte die Alguazils nach allen zwey und dreyßig Winden aus; aber alles Nachsuchen war vergebens. Nach acht Tagen hatte man noch nicht die geringste Spur, und nun erhielt er, um ihn vollkommen zu Verzweiflung zu treiben, die Nachricht, daß sein einziger Sohn zu Genua auf den Tod läge, und ihn um den letzten väterlichen Segen bitte. Er reiste denn mit dem festen Vorsatz’ ab, nach seines Sohnes Tod’ oder Genesung eine kleine Reise durch die ganze Welt zu machen, um die Schlange irgend wo zu finden und zu zertreten.