Sobald William sich seinem Freunde verständlich machen konnte, theilte er ihm seinen Wunsch nach einer nährendern Speise mit. Es machte ihm freilich viele Mühe, Kolbi sein Verlangen mitzutheilen, und dies mußte mehr durch Zeichen, als durch Worte geschehen; endlich aber begriff der gute Wilde ihn und nickte, wie bejahend, mit dem Haupte. Bald darauf forderte er von William das Messer, mit dem er bereits sehr geschickt umzugehen wußte, und entfernte sich damit in das nahe Gebüsch. William wußte nicht, was er im Sinne hatte, ließ ihn aber gewähren und erwartete geduldig seine Rückkehr.
Er blieb ziemlich lange weg, dann kehrte er, in seiner Hand mehre Baumzweige tragend, mit freudigem Gesichte zurück und wies seinem Freunde triumphirend das Mitgebrachte. William begriff erst nicht, was Kolbi mit den geschnittenen Stecken wollte und sah ihm mit einiger Neugierde zu, als er sich auf den Boden niedersetzte und an seinen Stecken zu schnitzen anfing. Bald aber wurde ihm die Absicht seines Freundes klar: Dieser schnitzte aus dem mitgebrachten Holze einen überaus zierlichen Bogen und als dieser fertig war, auch eine Handvoll Pfeile, erstere von einem biegsamen, letztere von sehr hartem, festen Holze. Die Arbeit konnte aber nicht vollendet werden, denn dem Bogen fehlte noch die Sehne, den Pfeilen die scharfe Spitze von Metall und die Federn; William war nicht wenig neugierig, wie Kolbi es anfangen würde, diesem Mangel abzuhelfen.
Schon in der nächsten Nacht sollte diese Neugierde befriedigt werden. Er sah Kolbi, so wie es völlig dunkel geworden war, fortwandern; wohin, konnte er nicht in Erfahrung bringen, da der Wilde sich ihm nicht verständlich machen konnte. Er blieb so lange weg, daß William sich sehr um ihn ängstigte und schon im Begriffe war, ihm nachzugehen und ihn aufzusuchen, als er ihn mit raschen Schritten herbeieilen hörte. Was er gethan, und was er von seiner nächtlichen Wanderung mitgebracht hatte, konnte er nicht in Erfahrung bringen, da, als Kolbi zurückkehrte, der bis dahin leuchtende Mond untergegangen war und eine vollkommene Dunkelheit in der Hütte und selbst draußen herrschte; Licht hatten aber unsre Beiden nicht, um sich die Nacht zu erhellen.
So wie Kolbi wieder angelangt war, warf er sich auf sein Lager nieder, seinem Freunde eine gute Nacht zurufend, denn diese Worte und die Bedeutung derselben hatte er bereits von William gelernt, der sie ihm jeden Abend zurief, so wie er sich zum Schlafen niederlegte. Früh am andern Morgen, als erst William, dann Kolbi erwacht war, ging letzterer aus der Hütte in's Freie hinaus und kehrte gleich darauf mit zwei todten Vögeln in der Hand, die dem Ansehen nach unsern Tauben glichen, nur weit größer und von einem schönen schillernden Gefieder waren, zu seinem Genossen zurück. Mit triumphirenden Blicken zeigte er seinen Fang, bedeutete William, daß er auf seinen Streifereien am vorhergehenden Tage ein Nest dieser Thiere hoch in der Spitze eines sehr hohen Baumes entdeckt, und beide Eltern, die Mutter darin, den Vater daneben, überrascht und getödtet habe. Er hatte sich die Stelle, wo der Baum mit dem Neste stand, und diesen selbst so genau gemerkt, daß er ihn auch während der Nacht wieder zu finden vermochte, wobei ihm freilich der Mondschein etwas zu Hülfe kam.
Man kann sich vorstellen, wie erfreut William über den Anblick dieser Vögel war, die ihm einen leckern Braten verhießen. Er zündete sogleich ein gutes Feuer an, steckte zu beiden Seiten derselben zwei Stäbe in die Erde, die oben durch ihre Zweige eine Gabel bildeten, und schnitzte von starkem Holze einen Spieß, an den er die Tauben stecken und ihn dann auf die beiden Gabeln legen wollte, zwischen denen sich das Feuer befand. Kolbi ließ ihn gewähren und machte sich seinerseits an die Arbeit. Mit einer wirklich bewunderungswürdigen Geschicklichkeit und Schnelligkeit rupfte er die Tauben, wobei er Sorge trug, daß kein Federchen verloren ging, denn diese waren von der größten Wichtigkeit für den von ihm beabsichtigten Zweck. Als er mit dieser Arbeit fertig war, schnitt er den Vögeln den Bauch auf und nahm behutsam aus beiden die Eingeweide heraus, mit welchen er zum nahen Bache ging, um sie von allem Unrathe zu reinigen; die Tauben selbst aber warf er William zu, der sich anschickte, sie an seinem improvisirten Spieße zu braten.
Was Kolbi mit den Federn wollte, hatte William bereits begriffen; aber was er mit den Eingeweiden anzufangen gedachte, blieb ihm so lange ein Räthsel, bis dieser mit den gereinigten Gedärmen vom Bache zurückkehrte, und indem er mehrere davon sehr fest zusammendrehte, eine Bogensehne davon machte. William bewunderte die Geschicklichkeit und Aemsigkeit seines Freundes nicht wenig, und brach in einen Jubelruf aus, als Kolbi ihm triumphirend den fertigen Bogen und die vermittelst der Taubenfedern bereits befiederten Pfeile zeigte, an welchem letztern nichts mehr fehlte, als die tödtende Spitze. Er zweifelte jetzt aber keinen Augenblick mehr daran, daß Kolbi auch dazu Rath schaffen würde, und dieses Vertrauen durfte er, nach den Proben, die er von seiner Geschicklichkeit und Einsicht abgelegt, wohl zu ihm haben.
Die beiden Tauben waren indeß gebraten, und wenn sie gleich nicht so lecker waren, wie die, welche eure gute Mutter, unterstützt von einer geschickten Köchin, zuweilen auf den Tisch bringt, wenn sie auch nicht in einem Meere von Butter schwammen; ja, wenn ihnen sogar das Salz zur Würze fehlte, so glaubte doch William, in seinem ganzen Leben kein so leckeres Mahl gehalten zu haben, als dieses. Auch Kolbi ließ sich seine Taube wohl schmecken, wobei er mit der größten Sorgfalt die Knöchelchen sammelte und auf die Seite legte. Was er damit beginnen, zu welchem Zwecke er sie benutzen wollte, begriff William wieder nicht, bis er seinen Freund die vorher schon geschnitzten und befiederten Pfeile hervornehmen und ihn sie mit kleinen scharfen Spitzen versehen sah, die er von den Knöchelchen vermittelst des Messers geschnitzt hatte.
Jetzt war ihm Alles klar, und seine Freude nicht gering, als er sich nun sogar auch im Besitze einer Waffe sah, die ihm noch viele solche Leckerbissen versprach, wie er eben genossen hatte.
In Hinsicht der Handhabung des Bogens sah er sich aber weit von Kolbi übertroffen, dessen Augen und Hände so sicher waren, daß er fast nie sein Ziel verfehlte, während William, zum nicht geringen Ergötzen des wilden Jägers, unter zehnmal kaum einmal traf. »Uebung macht den Meister,« heißt es im Sprichwort; so ging es auch mit William bald besser, und er wurde lange nicht mehr so oft von dem über seine größere Geschicklichkeit triumphirenden Kolbi ausgelacht.
Jetzt hatte man in der That keine Noth mehr zu leiden. Die Gegend wimmelte von Vögeln aller Art; da gab es nicht nur wilde Tauben und Hühner in Menge, sondern auch Gänse und Enten, worunter die sogenannte Holz-Ente, welche ihre Jungen im Walde ausbrütet, als besonders schmackhaft erfunden wurde. Auf dem Bache erblickte man den schwarzen Schwan; denn in Australien, das fast in allen Dingen gänzlich verschieden von den andern Welttheilen ist, haben die bei uns schneeweißen Schwäne ein schwarzes Gefieder.