Diese Erscheinung war so auffallend, daß William beim unerwarteten Anblick dieses seltsamen Thieres einen Ruf der Verwunderung erschallen ließ, auf den Kolbi zu ihm trat, um zu sehen, was es gäbe. William zeigte mit der Hand nach der Gegend, wo das Thier sich im Wasser bewegte und sah seinen Freund fragend an, als wolle er von ihm Aufschluß über diese seltsamste aller Erscheinungen verlangen. Kolbi zeigte aber kein Erstaunen in seinen Mienen, denn für ihn war das Thier kein Fremdling und mit gleichgültigem Tone sprach er das Wort Mouflengong aus, mit welchem Namen die Eingeborenen es benennen. Es war aber das sogenannte Schnabelthier (Ornithorhynchus paradoxus), über das von den Naturforschern schon so viel geschrieben worden ist. Nach langem Streiten, ob das Thier ein Fisch, ein Vogel oder ein Säugethier sei, ist ausgemacht worden, daß es zu den Säugethieren gehört, denn es bringt lebendige Junge zur Welt und säugt sie.

Gern hätte William dieses seltsame Geschöpf noch länger beobachtet, allein Kolbi warf aus Muthwillen mit einem Steine darnach, und alsobald tauchte es unter, kam auch nicht wieder zum Vorschein, was William sehr leid that, denn er konnte sich nicht satt daran sehen.

Das Schnabelthier wird nur in den Flüssen und Seen Australiens gefunden, wo es sich von Insecten und deren Eiern nährt, die es unter den Wurzeln der Wasserpflanzen sucht. Ein Naturforscher, Herr Bennett, ein Engländer, reiste eigends in der Absicht nach Australien, die Natur dieses seltsamen Geschöpfes zu erforschen, und ihm verdanken wir größtentheils, was wir darüber wissen.

Außer den Euch bereits genannten und zum Theil beschriebenen Thieren, sah unser William auch noch die sogenannten fliegenden Füchse, harmlose Thiere, die aber ein gar häßliches Ansehen und Aehnlichkeit mit unsern Fledermäusen haben, fliegende Eichhörnchen, Opossums, Bandikuts, die viermal so groß wie unsere Ratten und den Wilden eine angenehme Speise sind. Auch an Stachelschweinen fehlte es nicht; sie hatten Aehnlichkeit mit den europäischen.

Kolbi, dem diese Thierwelt schon bekannt war, konnte nicht begreifen, wie William so großes Vergnügen daran finden konnte, diese für ihn so völlig neuen Gegenstände genau in Augenschein zu nehmen, und mehre Male meinte er, es müsse wohl in dem Vaterlande seines Freundes weder Thiere noch Pflanzen geben, da William so oft sein Erstaunen über dieses oder Jenes an den Tag legte. Dieser belehrte ihn zwar eines andern, indem er ihm sagte, daß man zwar in Europa auch Thiere und Pflanzen, aber ganz anderer Art habe.

– »Nun,« versetzte Kolbi, »so begreife ich nicht, weshalb du dich bei den unsrigen so lange aufhältst: Thier ist Thier, und Pflanze, Pflanze!«

Daß es ein großes Vergnügen für einen denkenden Menschen sei, sich zu belehren, davon hatte unser Wilder keinen Begriff. Für ihn hatten nur solche Dinge Bedeutsamkeit, von denen er mehr oder minder Nutzen ziehen konnte. In dieser Zeit machte Kolbi, der die Augen überall hatte, die Entdeckung, daß ein Thier, welches er Wombat nannte, in der Nähe ihrer Hütte sein müsse, und er pries seinem Freunde dasselbe als eine sehr leckere Speise. Er hatte nämlich eine Höhle dieses Thiers entdeckt; denn es gräbt sich solche in die Erde, um während des Tages darin zu schlafen. Der Wombat oder das Beutel-Murmelthier, ist bis jetzt nur in Australien gefunden worden, und gehört zu den Pflanzen fressenden Thieren. Es ist fast so groß, wie eine englische Dogge, grau von Farbe und sehr plump gebaut; in seinen Bewegungen ist es äußerst langsam. Man brachte zwei dieser Thiere nach Paris, um ihre Lebensweise zu erforschen, und sie waren bald so zahm, wie unsre Hunde; allein sie zeigten weder den Verstand noch die Gelehrigkeit derselben, sondern waren dumm und so träge, daß man sie selbst durch Schläge nicht zum schnellerem Fortlaufen zu bewegen vermochte. Sie gehören zu den Beutelthieren, d. h. zu den Thieren, die ihre Jungen in einem an ihrem Leibe befindlichen Beutel bei sich tragen, bis diese selbstständig sind und sich selbst ernähren können.

Die Wilden stellen ihnen besonders ihres Fetts wegen nach, und eben deshalb war unser Kolbi auch so begierig, eins zu fangen und zum leckern Mahle zu bereiten. Lange entzog es sich seinen Bemühungen und der Dingo, der tief in seine Höhle einkroch und es mit dem Maule aus derselben hervorzog, mußte endlich das Beste dabei thun. Kolbi tödtete es jetzt, zog ihm das Fell ab und zertheilte es in kleinere Stücke. Das Fleisch des Wombats war in der That ein Leckerbissen und so fett, daß beim Braten sehr viel Fett in's Feuer trof. Was hätte unser William nicht darum gegeben, dieses auffangen und statt des Oels oder Talgs gebrauchen zu können; es fehlte ihm aber an einer Bratpfanne, um es aufzufangen. Er hätte dieses Fett aus dem Grunde so gern aufgehoben, weil es die bereits sehr langen Abende, die man völlig müßig wegen Mangel an Licht zubringen mußte, ihm verkürzt haben würde; denn der Müßiggang war für unsern Freund eine entsetzliche Plage.

Am Tage gab es freilich Beschäftigung für Beide genug. Man hatte immer noch mit der Hütte zu thun, in der man diese oder jene Bequemlichkeit anbrachte, und deren Ritzen man sorgfältig mit Gras verstopfte, weil Kolbi geäußert hatte, es werde nun bald eine sehr schlimme Zeit kommen, in der »viel, viel Wasser« – so drückte er sich aus, vom Himmel herabfallen würde. Daß er darunter den Regen verstand, werdet Ihr, meine Geliebten, wohl schon begriffen haben.

Ferner hatte man angefangen, einen Garten auf dem Abhange des Hügels, worauf die Hütte lag, anzulegen und ihn, zum Schutze gegen die wilden Thiere mit einer steinernen Mauer zu umgeben. An Steinen dazu fehlte es nicht, nur machte es einige Mühe, sie den Hügel hinanzuschleppen. Als die Umzäumung fertig war, machte William von einem Stücke Eichenholz ein Grabscheit, die die gewünschten Dienste beim Umgraben des Bodens leistete; auch einen Rechen oder eine Hacke machte er, um das gegrabene Land zu ebnen, das dann in ordentliche Beete eingetheilt wurde. Auf diese Weise gewann das Plätzchen ganz das Ansehen eines Gartens. Als der Boden bereitet war, dachte man auch daran, ihn zu bepflanzen. Zuerst setzte man neben der Mauer und rund um dieselbe, Himbeersträuche, die, da man sie fleißig begoß, bald fröhlich fortwuchsen. Aber wie mühselig war dieses Begießen, da man kein anderes Gefäß dazu hatte, als die Ledertasche oder die Eierschalen, die William von den Eiern des Emus oder australischen Kasuars gewonnen hatte. Wie viele Male mußte man den Berg hinab und wieder hinaufsteigen, um die vielen Pflanzen zu begießen! Dabei bewies aber Kolbi eine wirklich außerordentliche Ausdauer, die die Williams bei Weitem übertraf.