Auf die bereiteten Beete pflanzte man dann Pataten, diese für unsre Einsiedler so wichtige Frucht. William verfuhr ganz so damit, wie man in Europa mit den Kartoffeln verfährt und sein Fleiß wurde reichlich belohnt.

Ein besonderes Interesse gewährten ihm aber einige Apfelsinen-Körne, die er in einer der Taschen der Kleidungsstücke gefunden hatte, welche ehemals seinem guten Freunde, dem Zimmermann, angehört hatten. Zu welchem Zwecke dieser sie aufgehoben – vielleicht, um sie bei seiner Rückkehr nach Europa selbst zu pflanzen? – wußte er sich nicht zu sagen; genug, er fand zehn bis zwölf Stück davon, die sorgfältig in Papier gewickelt waren, und zugleich mit ihnen einige platte Körner, die er auf den ersten Blick für Gurkenkörner erkannte, die aber, wie sich späterhin auswies, Körner von Melonen waren.

Dieser Fund versetzte unsern William in eine Art von Freudentaumel und es hätte nicht viel gefehlt, daß er die lieben Körner geküßt. Er bereitete für sie eine besondere gute Stelle, reinigte sie von allen Steinchen und legte die Körner, etwa zwei bis drei Fuß von einander entfernt, einen halben Zoll tief in die Erde, was er mit einer Art von heiliger Empfindung that. Damit nicht etwa die Papageyen, deren Genäschigkeit ihm bereits bekannt war, über die Steffens-Stelle – so hatte er sie im Andenken an den guten Zimmermann benannt – kämen, die gelegten Körner hervorwühlten und aufpickten, bedeckte er sie mit den Blättern des Farrenkrautbaumes, die ihnen hinlänglichen Schutz gewährten. Er hatte die Vorsicht gehabt, die vermeinten Gurkenkerne von den Orangenkörnen zu trennen, und dies bekam ihm sehr gut, wie die Folge zeigte. Die sich bald über alle Erwartung ausbreitenden, die Größe unserer Kürbispflanzen erreichenden Melonenpflanzen würden die zarten Orangenstämmchen bald überwuchert und gänzlich unterdrückt haben.

Da die Erde überaus trocken war, begoß er sie jeden Abend; allein trotz dem lagen die Körner viel zu lange für seine Ungeduld in der Erde, ohne sich zu zeigen. Endlich aber zuckte das erste grüne Blättchen, das noch die zersprengte Hülse gleich einem Mützchen auf dem Kopfe hatte, aus dem Boden hervor, und der Jubel der Freunde war kein kleiner. Es waren die Melonen, die sich zuerst hervor gemacht hatten; bald aber zeigten die Orangen gleichfalls ihre zarten Spitzen und wuchsen von nun an fröhlich fort.

Wenn Einer von Euch Lieben auch einmal vom Schicksale zum Robinson bestimmt sein und gerade auf dieses Eiland kommen sollte, so werdet Ihr Euch an den herrlichen Früchten dieser Stämmchen laben und unsers Williams dabei gedenken können, der selbst sie nicht genießen sollte. Auch die Melonen dürften sich selbst fortgepflanzt haben und nicht weniger willkommen sein, als die saftigen und duftigen Orangen.

Siebenzehntes Kapitel.

In der kleinen Colonie trugen sich indeß zwei Vorfälle zu, bei welchem William, bei dem erstern mit einem kleinen, bei den letzern aber mit einem großen Schrecken davon kam.

William, der einstmals allein auf der Insel umherstreifte, weil Kolbi eben beschäftigt war, neue Pfeile zu spitzen, ließ sich durch eine ihm sonst nicht eigenthümliche Naschhaftigkeit verleiten, etwas von dem weißröthlichen Stoffe zu kosten, der in leichten Flocken an dem Grase unter den Bäumen hing, die von den Naturforschern Eucalyptus manniferra genannt werden. Diese Bäume schwitzen einen solchen Saft in großer Menge aus und streuen ihn auf den unterliegenden Rasen, oder er bleibt auch in leichten Flocken an den zarten Zweigen hängen.

Diese Flocken hatten einen sehr angenehmen, süßlichen Geschmack, und das war es, was unsern Freund verführte, ziemlich viel davon zu genießen. Aber o Himmel! wie schlecht bekam ihm seine Naschhaftigkeit, fast so schlecht wie »Fritz dem Näscher,« in dem Euch gewiß bekannten Gedichte, die seinige.

Kaum hatte er das Manna – denn dieses war es, was er genossen hatte – zehn Minuten im Leibe, so wurde ihm entsetzlich übel und dabei stellte sich ein Bauchgrimmen ein, wie er es nie zuvor gehabt hatte. Seine Kräfte drohten ihn gänzlich zu verlassen und nur mit der äußersten Anstrengung vermochte er sich nach Hause zu schleppen, wo er wie ein halbtodter Mensch niedersank und in ein solches Aechzen und Stöhnen ausbrach, daß Kolbi erschrocken seine Arbeit niederwarf und ihn fragte: ob er denn todt bleiben wolle?