– »O nein! nein!« schluchzte Kolbi; »William ist mir der Liebste auf der Welt, lieber als die ganze Welt! Kolbi müßte sterben, wenn er William nicht mehr hätte!«
– »Nun, was war es denn, was Dich zur Flucht antrieb?« fragte William, dessen Verwunderung mit jedem Augenblicke wuchs.
– »Kolbi ist nicht werth, daß William ihn lieb hat,« sagte der arme Junge, indem ein neuer Strom von Thränen ihm über die schwarzen Wangen floß; »Kolbi hat William betrübt, hat das Ding entzwei gemacht; Kolbi ist ein ganz schlechter Mensch geworden und will todt bleiben!«
– »Du hast die Uhr zerbrochen?« fragte William, der wußte, was er unter dem »Dinge« verstand, aufathmend.
– »Ja, die Uhr,« versetzte der arme Wilde, »und der Geist in dem Dinge wurde sehr böse – o, sehr böse! – und er zischte mich an, wie die große gelbe Schlange, wenn man sie mit einem Stecken schlägt. Kolbi war so erschrocken darüber, daß er das Ding fallen ließ und es zerbrach; o, Kolbi war sehr böse!«
– »Gott sei gedankt, daß es nichts weiter ist!« rief William erfreut aus. »Zwar war mir die Uhr sehr werth, indem sie mich an ihren frühern Besitzer erinnerte, der ein gar braver Mann war; allein tausend solcher Uhren, und noch weit mehr gäbe ich freudig um dich hin, mein Kolbi! Tröste und beruhige dich daher: ich bin gar nicht böse, nicht einmal betrübt; habe ich doch dich wieder, meinen guten, guten Kolbi!« Er breitete ihm bei diesen Worten die Arme entgegen, in die Kolbi laut schluchzend sank. Der Friede war jetzt wieder zwischen den Freunden geschlossen und Arm in Arm traten unsere Beiden den Rückweg zur Hütte an.
Auf dem Wege erzählte Kolbi, daß William ihm oft ganz nahe gewesen sei und er seinen Ruf deutlich vernommen, dann aber aus Furcht vor ihm die höchsten Bäume erklommen habe, auf denen William ihn nicht gesucht. Dies war auch der Fall an dem Abende gewesen, wo William, vom langen Umherstreifen gänzlich ermattet, sich unter dem Eucalyptus zum Schlafen niedergelegt. Sobald Kolbi, der sich keine hundert Schritte von ihm befand, ihn eingeschlafen sah, hatte er sich vorsichtig näher geschlichen und sich, beschützt von der Dunkelheit, neben ihm niedergelegt. Mit Anbruch des Tages hatte er ihn aber verlassen, um seine Flucht fortzusetzen; »denn,« fügte er mit traurigem Tone hinzu, »ich wollte dir nicht wieder vor Augen treten und in der Einsamkeit vor Hunger und Kummer umkommen.«
Achtzehntes Kapitel.
Unter solchen Gesprächen waren sie endlich wieder bei der Hütte angelangt, die sie in ihrem vorigem Stande fanden; nur der arme Dingo und die Vögel hatten große Noth gelitten, da ihnen Speise und Trank während der Abwesenheit der Freunde ausgegangen waren, und sie sich beides nicht hatten verschaffen können, weil William sie während der Nacht einzusperren gewohnt war und vergessen hatte, sie bei seinem Weggehen aus ihrem Kerker zu befreien.
– »Gieb Futter! Gieb Futter!« rief der große Königspapagei unaufhörlich: denn diese Worte hatte William ihn gelehrt und so oft er Futter haben wollte, rief er sie; der Dingo aber heulte erbärmlich, so daß die Freunde nichts Eiligeres zu thun hatten, als die armen Gefangenen zu befreien und ihnen Speise und Trank zu reichen. Der Dingo lief sogleich an den Bach, um seinen gewiß sehr peinigenden Durst zu löschen, und Kolbi folgte ihm mit dem Lederbeutel dahin, um Wasser für die Vögel zu schöpfen, die indeß von William mit den für sie eingesammelten Körnern und Früchten gespeiset wurden. Auch für Waldmann waren noch einige Knochen da, über die er sich begierig hermachte, und so war der großen Noth der armen Thiere abgeholfen.