Schon auf dem Wege zur Hütte hatte Kolbi sich oft nach dem Himmel umgesehen. Jetzt, als man die Thiere versorgt hatte, that er es nochmals und sagte dann zu William:

– »Böse Zeit! Böse Zeit!«

Dieser wußte nicht, was die Worte zu bedeuten haben sollten und sah neugierig bald Kolbi, bald den Himmel an. Letzterer hatte sich mit noch leichten Wölkchen bedeckt, die sich aber bald zusammenzogen und wie ungeheure Berge am fernsten Rande des Horizontes aufthürmten.

Kolbi, der aus Erfahrung wußte, daß diese Erscheinung den nahen Ausbruch von Sturm, Regen und Gewitter bedeute, lief zu der Stelle, wo die ihnen so nothwendigen Pataten in Menge wuchsen, grub so viele davon aus, als ihm möglich war, und lud William, der ihm erstaunt zusah, mit den Worten:

– »Böse Zeit kommt! Pataten sammeln! Nicht zögern, Pataten in die Hütte zu bringen!« zur Theilnahme an seinem Geschäfte ein.

William begriff jetzt, was er mit seinem: »Böse Zeit! Böse Zeit!« sagen wollte, und war ihm eifrig bei seiner Beschäftigung behülflich. Sie mußten sich in der That sputen: immer dichter zogen sich die Wolken zusammen, immer dunkler wurde der Himmel und schon hörte man das ferne Rollen des Donners; dabei hatte sich ein Wind erhoben, der in einzelnen Stößen zwar nur noch, doch die Luft heftig erschütterte. Obgleich man über eine halbe Stunde vom Meere entfernt war, hörte man es doch »rohren,« wie die Seeleute das hohle Brausen des Meeres, welches großen Stürmen und Gewittern voranzugehen pflegt, zu nennen pflegen. Kolbi, der immer in der freien Natur und in der Nähe des Meeres gelebt hatte, war ein scharfer und unfehlbarer Beobachter in allen Dingen der Art geworden und seine Prophezeihungen trafen immer richtig ein.

Die Richtigkeit seiner Voraussage sollte sich auch diesmal bewähren: immer stärker und hohler braußte das Meer; immer heftiger und anhaltender wurden die Windstöße; immer schwärzer überzog sich der Himmel: immer stärker wurde das Rollen des Donners, das bald zu einem furchtbaren Krachen und Prasseln wurde, dem zackige Blitze jedesmal vorangingen, und nicht lange, so fielen große, schwere Regentropfen vom Himmel nieder. Es war ein Glück für unsre Freunde, daß Kolbi die Naturerscheinungen so genau kannte; denn sehr schlimm würde es für sie gewesen sein, wenn sie sich nicht gehörig mit Vorräthen versehen hätten. Während des Unwetters Pataten aus der Erde zu graben, sie in die Hütte zu bringen, das wäre völlig unmöglich gewesen. Der Regen ergoß sich nicht etwa wie bei uns, sondern beständig, wie ein heftiger Platzregen, der alle Niederungen schon nach wenigen Stunden in Sümpfe und Pfützen verwandelt hatte. Der sonst so sanft und ruhig dahinfließende Bach war bald zu einem reißenden Strome geworden und überschwemmte, aus seinen Ufern getreten, die umliegenden Gegenden. Er erhielt immer neue Nahrung von den kleineren Bergquellen, die sich in ihn ergossen und die ganze Niederung, das ganze früher so lachende Thal wurde in einen einzigen großen See verwandelt.

Dabei rollte der Donner fortwährend in den Lüften; zackige Blitze durchzuckten die dunklen Wolkenmassen und fuhren bald in diesen, bald in jenen Baum, dessen Spitzen sie abbrachen oder den sie gänzlich niederstürzten, so daß er krachend zu Boden fiel.

Die Gewitter halten in diesen Gegenden nicht, wie bei uns nur einige Stunden, sondern fast immer mehrere Tage an, auch sind sie weit furchtbarer. Die ganze Natur scheint bei ihnen in Aufruhr zu sein und Alles tritt aus seiner gewohnten Ordnung.

Da es das erste Gewitter der Art war, welches William erlebte, erschreckte es ihn zu Anfang nicht wenig; bald aber gewöhnte er sich auch daran, und jetzt gewährte ihm das wirklich großartige Schauspiel sogar Genuß.