Die Hütte legte bei diesem Unwetter ihr Probestück ab und lobte ihre Baumeister. Obschon nur von Brettern aufgebaut und mit Brettern gedeckt, trotzte sie doch den sich vom Himmel herabstürzenden Fluthen und ließ auch nicht einen Tropfen Wasser durch, so daß sie Menschen und Thieren den vollkommensten Schutz gewährte. Die letztern bezeigten sich furchtsamer als Kolbi, der auch nicht die geringste Aengstlichkeit verrieth. Er verrichtete alle ihm obliegende Geschäfte so ruhig, als wäre kein Aufruhr in der Natur gewesen; dagegen heulte der Dingo fast unaufhörlich und die Papageien schrieen ganz erbärmlich, indem sie zugleich mit den Flügeln schlugen, als wollten sie den Regen, von dem sie doch nicht getroffen wurden, abschütteln.
William, der jetzt wieder ganz ruhig und gefaßt geworden war, dachte daran, diese schlimme Zeit zu einer Arbeit zu benützen, die eigentlich schon längst hätte beschafft werden müssen, aber immer aufgehoben worden war, weil es draußen nothwendigere Dinge zu thun gab. Der Mangel an Gefäßen, worin man etwas aufbewahren, namentlich, worin man einen Vorrath von Wasser sammeln konnte, war unsern beiden Einsiedlern schon lange empfindlich gewesen, und jetzt, wo man doch nichts anderes beginnen konnte, sollte endlich demselben abgeholfen werden.
Man besaß noch einige Holzblöcke, die vermuthlich die Trümmer von dem großen Maste des gestrandeten Schiffs, auf dem William gereist war, oder eines andern Schiffes waren. Man hatte sie an einem Tage, wo man das Meer besuchte – und dies geschah fast täglich, da man ämsig nach einem rettenden Schiffe umherspähte – am Strande gefunden und sie, ihrer Nützlichkeit wegen, in die Hütte gebracht. Dies war freilich, bei ihrer Größe und Schwere, eine mühselige Arbeit gewesen, bei der unsre Beiden manchen Schweißtropfen vergießen mußten; aber sie scheuten solche Anstrengungen nicht, und so war ihnen das saure Werk gelungen. William forderte Kolbi auf, ihm behülflich zu sein; man legte die Holzstücke auf eine Art von Stellage und schnitt dann mit der Säge Stücke von 1 Fuß oder 1½ Fuß Länge davon. Da sie von einem Maste abstammten, hatten sie von selbst eine runde Form; man hatte also nur nöthig, sie sorgfältig auszuhöhlen, was man vermittelst eines Meissels mit nicht allzugroßer Mühe that. Freilich war auch diese Arbeit keine leichte und ein Drechsler würde in wenigen Minuten vielleicht zu Stande gebracht haben, wozu sie bei dem angestrengtesten Fleiße einen ganzen Tag bedurften; aber dies schreckte sie nicht, und drei bis vier hübsche Gefäße wurden fertig, wovon eines sogleich zum Trinktrog für die Thiere bestimmt wurde.
Außerdem verfertigte Kolbi, der sich darauf verstand, noch einige allerliebste Körbe von einem sehr starken Grase, das auf den Inseln Australiens gefunden und von den Europäern neuseeländischer Flachs genannt wird. Die Fasern dieses Grases sind so stark und biegsam, daß man angefangen hat, Anker- und andere Schiffstaue davon zu machen, die an Haltbarkeit bei weitem die von Hanf gemachten übertreffen sollen.
Von diesem trefflichen Grase hatte Kolbi schon vor einiger Zeit eine gute Portion neben der Hütte aufgehäuft, weil man schon lange mit der Idee umgegangen war, Körbe und Körbchen davon zu flechten.
Während nun William den Drechsler spielte, machte sich Kolbi an die Körbe, und er gab seinem Freunde Gelegenheit, seine Geschicklichkeit zu bewundern. Mit unglaublicher Schnelle machte er das artigste Körbchen von der Welt fertig, und es fehlte ihm sogar nicht einmal an Zierlichkeit und angenehmer Form. Er verstand runde und längliche zu machen und versah jedes Körbchen mit so festen Henkeln, daß man ihm etwas anvertrauen konnte, ohne fürchten zu müssen, daß der Inhalt auf die Erde fiele.
So verstrich denn auch diese Zeit, die sonst so trüb und unangenehm für sie gewesen sein würde, auf eine wirklich angenehme Weise, indem sie während derselben sich unausgesetzt einer lohnenden, nützlichen Thätigkeit befleißigten. Ja, das Unwetter hätte noch weit länger dauern können, ohne ihnen lästig zu fallen, um so mehr, da ihr Vorrath an Pataten noch immer ausreichte, Dank sei es der Fürsorge Kolbi's.
Endlich schien die bisher sich so empört gezeigt habende Natur in ihr früheres Geleis zurücktreten zu wollen, nachdem das Unwetter etwa acht Tage angehalten hatte. Eine ordentliche Regenzeit, die fünf bis sechs Wochen zu dauern pflegt, wie man sie in andern tropischen Ländern[3] zu finden gewohnt ist, giebt es in Australien nicht. Die Stelle derselben vertreten ziemlich starke und länger als bei uns anhaltende Gewitter und Regengüsse, die aber die Natur außerordentlich erfrischen und den Pflanzenwuchs befördern.
[3]: Tropische Länder nennt man solche, die zwischen den Wendekreisen liegen.
Das Gewitter hatte schon längere Zeit aufgehört; der Sturm legte sich nach und nach, auch der Regen fiel nicht mehr in Strömen, sondern bereits in kleineren Tropfen. Am Abende des achten Tages regnete es noch etwas, als man aber am Morgen des neunten erwachte, lachte die Sonne hell vom heitersten Himmel herab.