Unsere Freunde konnten jetzt wenigstens aus der Hütte in's Freie hinaustreten, wenn sich gleich noch nicht in das gänzlich überschwemmte Thal wagen. Ihr erster Gang war in den Garten, um nach ihren lieben Pflanzen und Pflänzchen zu sehen.

Hätten sie den Garten unten im Thale angelegt, so würde es vermuthlich übel um die jungen Orangen- und Melonenpflanzen ausgesehen haben; aber zum Glück lag er an einem Abhange des Hügels, auf dem die Hütte stand, und so hatten ihre kleinen Anlagen nicht den mindesten Schaden gelitten. Im Gegentheil, es war bewunderungswürdig, wie sie gewachsen waren, seit man sie zuletzt gesehen. Die Orangen hatten schon allerliebste Blättchen und die Melonen fingen bereits an, sich auf dem Boden auszubreiten.

Williams Freude bei diesem Anblick könnt Ihr Euch vorstellen, meine geliebten Kinder. Der Eine oder Andere von Euch besitzt gewiß auch ein Gärtchen oder doch ein Beet, worauf er säen, pflanzen und wirthschaften kann und wird in diesem Falle mitempfinden können, was unser William empfand, als er Alles so weit gediehen erblickte. Mir ist es wenigstens als Kind oft so ergangen, daß ich Abends vor Ungeduld kaum einschlafen konnte, wenn irgend eine schöne Blume auf meinem Beete sich zu entfalten, ihren farbigen Kelch dem Lichte zu öffnen im Begriff war; und früh, wenn kaum der junge Morgen sich im Osten zeigte, wenn noch die glänzenden Thauperlen an den Spitzen der Gräser hingen, war ich schon wieder im Garten und stand entzückt vor meiner lieben, lieben Blume. Dieser Freude an der Natur und dem, was sie hervorbringt, habe ich vielleicht meiner Gewohnheit, früh aufzustehen, zu verdanken, für die ich Gott nicht genug danken kann. Die Natur ist am Morgen am schönsten, der Mensch selbst am frischesten und am besten zur Thätigkeit aufgelegt. Dies habe ich erkannt und mich daher bei der guten Gewohnheit erhalten. Die meisten von den vielen Büchern, die Euch und andern gute Kinder schon erfreut haben, sind in solchen Stunden geschrieben worden, in denen der gern spät aufstehende Großstädter sich noch im warmen Bette dreht. Macht es so wie ich, und Ihr werdet, meine Geliebten, viele Zeit, ein gutes Wohlbefinden, Kraft und Munterkeit dadurch gewinnen.

William konnte sich nicht satt sehen an seinen Pflänzchen und auch Kolbi stimmte in seine Freude ein, obgleich er noch keinen Begriff davon hatte, welche köstliche Früchte sowohl die Melonen, als die Orangen zu tragen bestimmt waren. Die Früchte der erstern sollte er jedoch bald kennen lernen; denn die Pflanzen wuchsen, daß man hätte glauben sollen, sie wachsen zu sehen.

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Neunzehntes Kapitel.

Man kann sich keinen Begriff davon machen, wie angenehm die Luft, wie erfrischt Alles nach diesem anhaltenden Regen und nach der Entladung der Luft durch das Gewitter von allen in ihr angehäuften Unreinigkeiten war. Alle Pflanzen glänzten, dufteten und standen kräftiger. Es dauerte auch nicht gar lange, so hatte der Boden das überflüssige Wasser eingesogen und unsre Beiden konnten sich wieder in das Thal hinabwagen, wo der schöne Bach seine gewöhnlichen Ufer wieder gefunden hatte.

Unsre Einsiedler konnten jetzt auch wieder ihren gewohnten Beschäftigungen nachgehen und sich durch die Jagd einen leckern Braten verschaffen; ja, wie der Mensch ungenügsam von Natur ist, William bezeigte sogar ein Gelüste nach Fischen, so daß er darauf dachte, von dem zähen neuseeländischen Flachse ein Netz zu machen, in dem er am Meere die harmlosen Bewohner der kühlen Fluth zu fangen gedachte. Er hatte aber die Rechnung ohne den Wirth gemacht: hart am Strande waren keine Fische und an einem Kahne fehlte es ihnen, weil William nicht die Vorsicht gebraucht hatte, das Canot, auf dem Kolbi hergekommen, gehörig zu befestigen: die nächste etwas hochgehende See hatte es also mit sich fortgerissen.

Indessen verzweifelten unsre Freunde keineswegs daran, auch noch ein Canot herzustellen; sie trauten sich, im Besitze ihrer Geräthschaften, schon immer mehr und mehr zu, besonders da sie mit jedem Tage geschickter in der Handhabung derselben wurden. Ein Baumstamm konnte vermittelst der Säge und der Axt in wenigen Tagen gefällt werden und das Aushöhlen desselben durch darin angezündetes Feuer verstand Kolbi sehr gut. Es wurde also beschlossen, schon in den nächsten Tagen zum Werke zu schreiten und es kam nur noch darauf an, einen passenden Baum zu finden.