»Das glaube ich nicht,« erwiederte William; »Eure Zauberer sind Lügner, wenn sie das sagen; den guten Geist, wie Ihr den nennt, den wir Gott nennen, sieht Niemand, hört Niemand: er ist unsichtbar, wie ich Dir schon gesagt habe.«
»Wie aber weiß man denn, daß er da ist?« fragte Kolbi.
»Man erkennt sein Dasein an seinen Werken.«
Das war wieder zu hoch für unsern armen, unwissenden Wilden; William aber wollte ihm die Sache gern deutlich machen und fuhr fort:
»Gesetzt, Du und ich, Kolbi, trennten uns auf einige Zeit; Du gingest dahin, ich dorthin und wir sähen einander auch gar nicht mehr, so würdest Du doch, wenn Du nach einiger Zeit hierher zurückkehrtest und die Hütte gänzlich vollendet fändest, bei Dir sagen: »die hat William fertig gemacht;« so würdest Du sagen, wenn Du mich auch gar nicht mehr sähest.«
»Ja, das würde ich; denn wer sonst sollte sie gemacht haben?« war Kolbis Antwort.
– »Sieh,« fuhr William fort, »eben so hat sich der liebe Gott in früherer Zeit den Menschen offenbaret, damit sie an sein Dasein glauben und ihn anbeten sollten; jetzt, wo sie das thun, redet er nicht mehr zu ihnen, sondern offenbart sich ihnen nur noch durch seine Werke. Er ist es, der die Welt geschaffen hat und erhält; der die Sonne, den Mond, die Sterne, das Meer, die Erde machte, der sie mit Menschen und Thieren bevölkerte, der Regen und Sonnenschein, Sturm und Gewitter giebt, der die Keime in der Erde sich entwickeln, die Pflanzen wachsen und gedeihen, die Frucht reifen läßt, damit sich seine Geschöpfe davon nähren, daran erfreuen. Er kann, was er will, denn er ist allmächtig; er will immer nur das Beste seiner Geschöpfe, denn er ist allgütig, er lenkt Alles zum Besten, denn er ist allweise, das heißt, er besitzt mehr Verstand und Einsicht, als alle seine übrigen Geschöpfe zusammen; er sieht und hört Alles, denn er ist allgegenwärtig.«
– »Höre William,« versetzte Kolbi nach einer ziemlich langen Pause, während welcher er ernstlich nachgedacht zu haben schien, »höre, ich will deinen Gott, von dem du so viel Gutes sagst, auch lieb haben, noch lieber, als den guten Geist, von dem die Zauberer erzählen.«
»Thue das, mein Kolbi,« antwortete ihm William, indem er ihm die Hand reichte, »und wenn du willst, lehre ich dich beten zu unserm guten Gott im Himmel; das Gebet, der Dank seiner Menschen sind ihm angenehm.«
– »Ach!« versetzte der arme Kolbi mit einem tiefen Seufzer, »wie werde ich das lernen können? bin ich doch dumm!«