Den eigentlichen Zweck ihrer Wanderung schienen unsre Beiden indeß verfehlen zu sollen. Wie sorgsam sie auch spähten, so erblickten sie doch am Meeresstrande nicht das Geringste, das ihnen zu ihrem Zwecke hätte dienen können. Es lagen zwar viele schöne bunte Muscheln und Steine genug am Ufer, allein auch nicht das kleinste Stückchen Holz, das ihnen zu ihrem Bau hätte dienen können.

Dies war ihnen natürlich sehr unangenehm; allein es entmuthigte William keineswegs, sondern er sann sogleich auf Abhülfe, die ja auch noch immer möglich war, da sie ihre Geräthschaften vor der Zerstörungswuth der Wilden gerettet hatten.

Am zweiten Morgen ihrer fruchtlosen Wanderung war es Kolbi, der zuerst erwachte und dem nahen Meere zueilte, um sich in der kühlen Fluth zu baden, wie es seine Gewohnheit in der Heimath gewesen war. Er hatte kaum seine wenige Bekleidung abgeworfen und schickte sich eben an, sich ins Wasser zu stürzen, als sein über das Meer hinstreifender scharfer Blick ein kleines dunkles Pünktchen am äußersten Rande des Horizontes entdeckte. Er starrte es einige Augenblicke an und bemerkte, daß es beweglich war. Jetzt weckte er William, um ihn auf die Erscheinung aufmerksam zu machen; denn er wußte mit Gewißheit, daß das schwarze Pünktchen am vorhergehenden Abende nicht an der Stelle gewesen war, und so erregte es mit Recht seine Aufmerksamkeit.

William, der durch Kolbi in einem lieblichen Traume gestört worden war, der ihn nach der geliebten Heimath, in das Haus seiner Mutter versetzte, war fast ein wenig unwillig, daß Kolbi ihn erweckt hatte, er rieb sich die noch schlaftrunkenen Augen und fragte, was es denn gäbe?

»Einen schwarzen Punkt gibt es da drüben, der gestern Abend vor unserm Einschlafen noch nicht da war,« antwortete ihm Kolbi; »komm nur und sieh selbst.«

Jetzt sprang William auf; denn er wußte noch von seiner Seereise her, was solche schwarze Punkte am äußersten Rande des Horizontes zu bedeuten hatten, und sein Herz schlug fast hörbar in der Brust.

»Wo siehst Du denn den Punkt?« fragte er, seine ganze Sehkraft, wiewohl vergeblich, anstrengend; denn sein Auge war, obschon sehr gut, doch nicht so scharf sehend, als das seines Freundes.

»Da! da!« war Kolbis Antwort, indem er mit der Hand nach der Gegend hinzeigte. »Siehst Du es denn nicht?«

»Ich sehe nichts, gar nichts!« antwortete ihm William; »Du hast Dich wohl getäuscht, Kolbi?«

»Gewiß nicht! Ich sehe es deutlich, ganz deutlich, und es bewegt sich!«