»O mein Gott!« rief William bei diesen Worten, und er wurde blaß vor Freude; »o mein Gott, wenn es ein Schiff wäre!«

»Es ist nur ein Punkt, sage ich Dir, und kein Schiff,« versetzte Kolbi, »wenn es ein Canot wäre, müßte es ja größer sein.«

»Aus großer Ferne gesehen, erscheinen die Dinge viel kleiner,« antwortete ihm William, der noch immer nach der ihm bezeichneten Gegend hinstarrte, aber leider nichts sehen konnte.

»Siehst Du denn den Punkt noch immer?« fragte er Kolbi nach einer ziemlich langen Pause, die zwischen den Freunden entstanden war.

»So deutlich, wie ich Dich sehe,« war die Antwort, »und der Punkt ist jetzt schon größer, als er in dem Augenblicke war, wo ich ihn zuerst sah.«

Wie pochte das Herz in Williams Brust bei diesen Worten! Wie strömten seine Gefühle über! Konnte er noch daran zweifeln, daß das, was sein schärfer sehender Freund sah, ein Schiff, vielleicht gar ein von Europa kommendes Schiff sei? So war vielleicht Rettung, Erlösung nahe! So sollten Leiden und Entbehrungen vielleicht ihr Ende bald finden! Thränen traten ihm, besonders bei dem Gedanken, seine über Alles theure Mutter, die geliebte Heimath wiedersehen zu sollen, in die Augen, und rollten in Strömen über seine Wangen. Kolbi, der ihn weinen sah, fragte theilnehmend:

»Du weinst? Hat Kolbi Dich betrübt, William? Was hat Kolbi Dir Böses gethan?«

»O nichts, nichts, Du guter, lieber Kolbi,« rief William, indem er den Freund umarmte; »Du hast mir im Gegentheil durch Deine Entdeckung eine unendlich große Freude gemacht. Das, was Du mit Deinem geübteren Auge bereits siehst und was ich noch nicht sehen kann, ist aller Wahrscheinlichkeit nach eines von den großen schwimmenden Gebäuden, von denen ich Dir so viel erzählt habe, und die wir Schiffe nennen. Auf einem solchen Schiffe bin ich hierhergekommen, wie Du schon weißt, und wenn es Gottes Wille wäre, mich zu erretten, so könnte das, was Du siehst, hier in der Nähe Anker werfen, die Mannschaft könnte ans Land kommen und mich mit sich nehmen, nach Europa, in die geliebte Heimath zurück.« –

»Und dann bliebe Kolbi hier allein zurück und stürbe aus Kummer über William?« fragte der Wilde traurig.

»Nicht doch! Wie könnte ich Dich wohl verlassen, Dich, meinen einzigen, meinen liebsten Freund auf der Welt?« war Williams Antwort. »Nein, Kolbi,« fügte er unter Thränen hinzu; »nein, ohne Dich ginge ich nicht! Aber meine weißen Brüder würden uns Beide mitnehmen; ich würde Dich in meine Vaterstadt Hamburg, in das Haus meiner Mutter führen, würde ihr sagen: da ist mein Freund, mein Bruder Kolbi; nimm ihn an zu Deinem Sohne und liebe ihn, wie Du mich liebst; und sie würde Dich eben so lieben, Kolbi, denn sie ist gut und liebevoll!«