Man begrüßte einander, man befragte sie nach ihrem Namen, nach ihren Schicksalen, ihrem Vaterlande; man war nicht wenig erstaunt, auch einen Eingeborenen des Landes – denn dafür erkannte man Kolbi auf den ersten Blick – ziemlich fertig Deutsch reden zu hören, und hörte mit sichtbarer Theilnahme Williams Erzählung zu.
Diese Theilnahme bewies ihm vor allen Andern ein hoch und schlank gewachsener Mann von mittleren Jahren, aus dessen angenehmen, gewinnenden und freundlichen Gesichtszügen zugleich Milde, Freundlichkeit und Geist hervorstrahlten. Er trug ziemlich langes, lockiges Haar, das fast bis auf die Schultern hinabfiel, und sprach fertig Deutsch, obwohl mit einem etwas fremdartigen Accent.
Alle, die im Boote waren, bezeigten gegen diesen Mann eine ganz besondere Ehrfurcht und Zuneigung, denn so wie er sprach, schwiegen sogleich alle Andere.
Während die Matrosen sich besonders mit Kolbi beschäftigten, der ihre Aufmerksamkeit fast mehr noch als William in Anspruch nahm, mußte Letzterer sich zu dem freundlichen Manne setzen, um ihm ausführlicher seine Erlebnisse mitzutheilen. Als William ihm sagte, daß er, obschon von englischen Eltern abstammend, doch ein Hamburger von Geburt sei, verklärte ein angenehmes Lächeln das Gesicht des liebenswürdigen Mannes und er sagte:
»Hamburg kenne ich sehr gut und habe mich zu verschiedenen Zeiten daselbst aufgehalten.«
Das war denn eine große Freude für William, besonders als der Fremde seine geliebte Vaterstadt lobte und sagte, daß sie eine der angenehmsten und bedeutendsten Städte der Welt sei und er sie sehr lieb gewonnen habe.
Das von einem vorsichtigen und geschickten Steuermann gelenkte Boot landete endlich an der Insel und Alle stiegen aus; zuerst unsere beiden Freunde, die jetzt wieder dem Anstande huldigen und sich bekleiden wollten; denn auch Kolbi mochte nicht gern mehr ganz blos gehen und hatte sich schon gänzlich an seine Kleidung gewöhnt.
Sobald man gelandet war, erging die Bitte an unsere beiden Colonisten, der Mannschaft eine gute Quelle zu zeigen, damit man die mitgebrachten Fässer damit anfülle, denn der Wassermangel, welcher an dem großen Schiffe fühlbar geworden war, hatte den Kapitain desselben vermocht, seinen Curs nach der Insel zu richten, in der Hoffnung, daselbst diesem empfindlichen Mangel abhelfen zu können.
Daß man sich in dieser Hoffnung nicht getäuscht hatte, wißt Ihr, meine Lieben. William und Kolbi führten die Mannschaft auf dem kürzesten Wege zu ihrem herrlichen Bache in der Nähe der halbfertigen Hütte, und Alle erlabten sich an dem köstlichen Getränke, das sie so lange schon in solcher Frische vermißt hatten; niemals hatte ihnen der feurigste Wein so gut geschmeckt, wie jetzt der frische Trunk aus der Quelle.
William und sein Kolbi konnten aber auch noch auf andere Weise der Pflicht der Gastfreundschaft genug thun. Einige der köstlichen Melonen wurden aus dem Garten geholt und an die Mannschaft des Boots vertheilt; man machte ein großes Feuer an und legte eine Menge Pataten an die hoch emporlodernde Flamme; während diese brieten, pflückte man die aus Gras und Stäben geflochtenen Körbe, voll der saftigsten Himbeeren, die nicht minder willkommen als die Melonen waren, und Kolbi, der schon gar nicht mehr fremd gegen die weißen Männer that, versprach, daß er, wenn man ihm nur einige Zeit lassen wolle, einen guten Braten zum Gastmahle liefern würde.