Lange standen beide Hand in Hand auf der Spitze des Hügels, an dessen Abhange ihr Häuschen lag, das jetzt nur noch eine unförmliche Steinmasse mehr war, und schauten auf dasselbe mit von Thränen feuchten Blicken hinab. Dann gingen sie in den Garten, und zugleich mit Wehmuth und Liebe betrachteten sie die Pflanzen, die so fröhlich darin wuchsen und von nun an ihre Pflege entbehren würden. Auch Kolbi war sehr still und augenscheinlich bewegt; was er in diesem Augenblick empfand, vermochte er nicht auszudrücken; aber auch in seinem dunklen Auge glänzte eine Thräne.

Williams Gefühle wallten endlich in einem Dankgebete über; er sank auf seine Kniee nieder und dankte Gott aus der Fülle seines Herzens für alles Gute, was er von seiner Gnade empfangen hatte. Dann reichte er Kolbi die Hand, und Beide setzten schweigend ihre Wanderung fort, von der sie erst mit Anbruch der Nacht zurückkehrten.

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Früh am andern Morgen ging es an Bord des »Ruriks,« an den man bereits am vorhergehenden Tage alle gesammelten Lebensmittel geschafft hatte.

William und Kolbi waren die letztern in dem Zuge, der sich unter fröhlichem Geplauder, unter Scherzen und Lachen dem Strande näherte. Da, als man bereits eine gute Strecke von der Hütte entfernt war, hörten unsere beiden Freunde plötzlich das ihnen so wohlbekannte: »Gieb Futter, Gieb Futter!«

»O, mein Gott!« rief William, den Arm Kolbis loslassend und einige Schritte zurückgehend, »bald hätten wir unsern guten Freund hier vergessen! Wie würde mich das betrübt haben!«

Es dauerte keine Minute, so saß der schöne Lori ihm auf der Schulter; denn da er ihn nie neckte, wie Kolbi aus Muthwillen zuweilen that, hatte der Papagei eine ganz besondere Vorliebe für ihn gefaßt.

»Komm,« sagte William, das glänzende Gefieder des schönen Thieres sanft streichelnd, »komm, Lori, Du sollst mit mir und, wenn Gott mir meine geliebte Mutter erhalten hat, ihr zur Freude, mir aber zur Erinnerung an dieses rettende Eiland dienen; denn nie werde ich deine Stimme vernehmen, ohne an Alles erinnert zu werden, was ich hier erlebte.«

Der Vogel sah ihn mit seinen klugen Augen so verständig an, als verstünde er seine Worte, und auf dem Wege zum Strande hörte er nicht auf, zu plaudern und zu pfeifen, denn auch das Letztere hatte er von seinen Erziehern gelernt.

Der Wind war günstig; das Schiff lichtete, sowie alle am Bord waren, die Anker; die Segel schwellten und der majestätische »Rurik« setzte sich in Bewegung. Es dauerte nicht lange, so hatte man die geliebte Insel aus dem Gesichte verloren.