Wilhelm. O ja! das wußte ich sehr wohl.
Präsident. Wußtest du denn nicht, daß das Stehlen unrecht sei?
Wilhelm. Das wußte ich nicht so ganz genau; ich wußte nur, daß man gestraft wird, wenn man sich dabei ertappen ließ und ich habe mich niemals ertappen lassen (hier lächelte Wilhelm triumphirend).
Präsident. Machte dir denn das Stehlen Freude?
Wilhelm. Ja! sehr große, besonders wenn ich es recht geschickt anfing und wenn es mir mit großer Mühe gelang. Auch war ich froh, wenn ich etwas nach Hause brachte; und zu Hause konnte man alles brauchen.
Präsident. Wußten denn deine Eltern, daß das, was du nach Hause brachtest, gestohlenes Gut sei?
Wilhelm schwieg verlegen; er scheute sich, seine Eltern zu verrathen; „die Eltern, sagte er, schickten mich mit der Schwester aus, um zu betteln — es ging aber gar zu langsam, wir brachten nur wenig zusammen, kaum genug, ein Brod zu kaufen und ich wollte doch auch manchmal ein Stückchen Kuchen essen. Man sieht so schöne Sachen bei den Conditoren am Fenster stehen, das giebt Lust zu naschen und ich fand es ungerecht, daß die Reichen allein solche gute Sachen genießen sollten.“
Präsident. Als Gott Reiche und Arme schuf, muß er wohl sehr weise Absichten gehabt haben. Der Arme kann übrigens reich, der Reiche arm werden, der Arme wird aber nur reich durch Arbeit, nicht durch Diebstahl; denn auf der Sünde ruht kein Segen. Ich will dir Mittel an die Hand geben, die dich reich machen können, wenn du brav und arbeitsam werden willst.
Wilhelm. Ja, das will ich!
Präsident. Nun, so gieb mir die Hand darauf, daß du nie wieder fremdes Eigenthum an dich nehmen wirst.