In der vorhergehenden Nacht waren durch die Kohlen eines Bratwurstfeuers unter andern Buden auch die Menagerie in Brand gerathen. Das trockene Holz des Gerüstes hatte rasch die Flammen verbreitet, welche allen Löschungsversuchen des Menageriebesitzers trotzten. Die Thiere stießen die schrecklichsten Töne aus; sie liefen angsterfüllt in ihren Käfigen umher; die Papageien schlugen mit den Flügeln, die Affen sprangen herum und schrieen wie die kleinen Kinder; aber die Raubthiere waren fürchterlich. Der Tiger fletschte die Zähne, indem er sich in den Hintergrund des Käfigs zurückzog, er schien das feindliche Element auffressen zu wollen; — trostlos sprang der Eisbär in seinem Gefängniß hin und her; die Hitze erschien ihm unerträglich, und als sein schöner weißer Pelz Feuer fing, da meinte man, die ganze Welt müsse untergehen, so tief und trostlos war sein Brummen. Der Panther und der Luchs versuchten an den eisernen Stäben empor zu klettern, sie klammerten sich fest daran, bis dieselben glühend wurden; heulend ließen sie dann los von ihrem Halten und fielen auf den Boden des Käfigs herab, wo sie in gewaltigem Todeszucken im Rauch erstickten und dann verbrannten.

Als der Menageriebesitzer sah, daß er das Feuer nicht mehr löschen konnte, war er darauf bedacht, wenigstens einige seiner Prachtstücken zu retten, und er versuchte den Wagen, worauf der Käfig des Löwen stand, aus der Wagenreihe herauszuziehen; dabei fiel derselbe aber um, die Thür sprang durch die Erschütterung auf und der vom Feuer und Todesangst wilde Löwe kam heraus. Das Thier war keineswegs wüthend, als es seine Freiheit erlangte, im Gegentheil war es schüchtern und furchtsam und es wäre dem Menageriebesitzer ein Leichtes gewesen, es wieder einzuschließen, wenn er nicht selbst unter dem umgestürzten Wagen gelegen hätte. Ehe er sich unter demselben hervorhelfen konnte, war der Löwe langsamen Schrittes durch die schreiende und fliehende Menschenmenge, die das Feuer herbeigelockt hatte, dem Walde zugeschritten. Er hatte sich sogar einige Mal sehr würdevoll umgeschaut und als er die Feuerflamme sich noch ein Mal betrachtet hatte, war er zögernd in das Dickicht verschwunden.

Nachdem der Menageriebesitzer noch einige andere Thiere in Sicherheit gebracht hatte, war er seinem Löwen in den Wald gefolgt in der Hoffnung, ihn zurückzulocken; derselbe hatte aber seitdem die Bekanntschaft einer Schafheerde gemacht und einen Hammel verspeist. Dadurch war ihm der Sinn für die Freiheit aufgegangen; sein Instinkt war erwacht und er gehorchte nicht mehr der bekannten Stimme, sondern entfernte sich von dem rufenden Herrn in würdevollem Schritt.

Man erzählte nun, der Löwe habe auch ein Kind erwürgt und die Polizei hielt es demnach für ihre Pflicht, sich in die Sache zu mischen. Trotz den dringenden Bitten des Menageriebesitzers, der so gern seinen Löwen erhalten wollte, wurden Jäger ausgeschickt, um den gefährlichen Gast der Wälder und Felder zu erlegen, damit derselbe kein weiteres Unheil anrichten könne.


[Kapitel 11.]
Aus der Naturgeschichte des Löwen.


Und herein mit bedächtigem Schritt Ein Löwe tritt. Er sieht sich stumm Ringsum Mit langem Gähnen. Er schüttelt die Mähnen. Und legt sich nieder.

Als der letzte Lebensfunke des Löwen verlöscht war, kam der Menageriebesitzer herbei; er warf sich über die Leiche seines Prachtstückes und weinte laut. Mit seinen Thieren hatte der arme Mann sein Vermögen verloren. Die kleine Prinzessin erbot sich, ihm die Haut des Löwen abzukaufen, sie wollte dieselbe ausstopfen lassen und im Lustschlößchen aufstellen, da ein in dessen Umgegend erschossener Löwe gewiß zu den Seltenheiten gehöre; dann lud sie den betrübten Mann ein, seine Affen in Empfang zu nehmen, deren Erscheinen man sich jetzt erklären konnte. Jetzt bemerkte man auch, daß das kleine Aeffchen an Brandwunden leide und man verband es mit kühlender Salbe, wobei es ganz still hielt.