Die kleine, fleischige Hand ballte sich unwillkürlich zur Faust und die gefürchtete Querfalte über der Nasenwurzel, das „Gewitterzeichen“, das die eigenen Soldaten wie der Feind fürchten gelernt, grub sich, für einen Augenblick, in die hochgewölbte Stirne. Dann hellte sich das Gesicht wieder auf, und Excellenz sah sich stolz im Kreise um.

Nein! Der Sieger von *** hatte keine Angst. Seine Mauer stand fest und wankte nicht. Drei Monate hatte jede Nachricht, die in der Abteilung für Kundschafterdienste einlief, von den ungeheueren Vorbereitungen im feindlichen Lager berichtet. Drei Monate lang hatten sie drüben Munition gehäuft, und Kräfte zusammengezogen für den Monstreangriff, der nun, seit heute Nacht, entfesselt war. Der General wußte, was die Menschenmenge, die da lustig in der Sonne wimmelte, erst am nächsten Morgen aus den Zeitungen erfahren sollte, daß draußen an der Front seit zwanzig Stunden eine erbitterte Schlacht im Gange war; daß, kaum sechzig Kilometer von dem Promenadenkonzert, die Geschütze ohne Atempause tobten, ein dichter Hagel von glühendem Eisen zischend auf seine Soldaten niederprasselte. Drei restlos abgewiesene Infanterieüberfälle hatten die Morgenberichte schon gemeldet, und jetzt hämmerte mit rasender Wut die Artillerie, als Einleitung zu neuen Kämpfen während der Nacht.

Nun, sie sollten nur kommen!

Mit einem Ruck richtete sich der Excellenzherr auf, und sein Blick bekam einen gespannten Ausdruck, als könnte er, — während seine Finger auf der Tischplatte nervös den Takt zum Donauwalzer trommelten, — das Trommelfeuer hören, das draußen an der Front wie Sturmwind brüllte. Seine Vorkehrungen waren getroffen: das Menschenreservoir bis zum Überlaufen aufgefüllt! Zweimalhunderttausend junge, kräftige Burschen, die erlesensten Jahrgänge, lagen rückwärts bereit, um im geeigneten Moment vor die Walze geworfen zu werden, bis sie in einem Sumpf von Blut und Knochen stecken blieb. Sie sollten nur kommen, je stärker desto besser. Der Sieger von *** war bereit, seinen Lorbeeren einen neuen Zweig hinzuzufügen, und seine Augen blitzten, wie die vielen Tapferkeitszeichen an seiner Brust.

Da erhob sich am Nachbartisch sein Adjutant, kam zögernd heran, und flüsterte Excellenz einige Worte zu.

Der hohe Herr schüttelte ablehnend das Haupt.

— Es ist eine wichtige ausländische Zeitung, Excellenz! — drängte der Adjutant, und fügte, als der Gebieter immer noch energisch abwinkte, bedeutungsvoll hinzu: — Der Herr hat ein Empfehlungsschreiben aus dem Hauptquartier mitgebracht, Excellenz.

Da gab der General den Widerstand endlich auf, erhob sich seufzend und sagte, halb scherzhaft, halb ergrimmt zu seiner Nachbarin: — Ein rechtschaffenes Kartäschfeuer wär’ mir lieber! — Dann folgte er ergeben dem Adjutanten, reichte dem kahlköpfigen Zivilisten, der stürmisch hochschnellte und in der Mitte auseinanderbrach, wie ein zuklappendes Federmesser, jovial die Hand, und lud ihn zum Sitzen ein.

Der Journalist stammelte einige Worte der Bewunderung, schlug erwartungsvoll sein Notizbuch auf, eine Reihe von Fragen auf den Lippen. Allein der Excellenzherr ließ ihn gar nicht erst zu Worte kommen. Er hatte sich für derlei Fälle — im Laufe der Zeit — einige wohlüberlegte, unverfängliche Äußerungen zurechtgelegt, und sagte nun seine Rede, mit scharfer Betonung und kurzen Denkpausen, gehorsam her.

Vor allem gedachte er rühmend seiner braven Soldaten, lobte ihre Tapferkeit, ihre Todesverachtung, ihre, über alles Lob erhabenen Leistungen. Sodann sprach er sein Bedauern aus über die Unmöglichkeit, jeden Einzelnen dieser Helden nach Gebühr zu belohnen, und forderte vom Vaterlande, — mit erhobener Stimme, — unvergängliche Dankbarkeit für so viele Treue und Selbstverleugnung bis in den Tod. Er erklärte, mit einem Fingerzeig auf den dichten Ordenswald, die Auszeichnungen, die ihm zu Teil geworden waren für eine Ehrung, die seinen Soldaten galt. Endlich flocht er noch einige maßvoll lobende Worte über den Gefechtswert der feindlichen Soldaten und die Umsicht ihrer Führung ein; und schloß mit der Äußerung seines unerschütterlichen Vertrauens in den Endsieg.