Der Journalist lauschte andächtig und warf nur ab und zu ein kurzes Stichwort zu Papier. Die Hauptsache war ja doch das Auftreten des Gewaltigen, seine Art zu reden, seine Gesten zu beobachten; seine Persönlichkeit in wenigen, markanten Zügen einzufangen.

Der Excellenzherr legte, nachdem er seine Rede geschlossen, den Feldherrn gleichsam ab, wandelte sich aus dem Sieger von *** zum Weltmann. — Sie gehen jetzt an die Front, Herr Doktor? — frug er mit verbindlichem Lächeln, und antwortete auf das begeisterte „Ja“ des Schriftstellers mit einem schweren, melancholischen Seufzer. — Sie Glücklicher! Ich kann Sie nur beneiden. Sehen Sie, das ist der tragische Zug im Leben des Feldherrn von heute, daß er seine Truppen nicht mehr selbst in’s Feuer führen darf! Ein ganzes Leben lang hat er sich auf den Krieg vorbereitet, ist Soldat mit Leib und Seele, und kennt die Aufregungen des Kampfes nur vom Hörensagen. —

Hoch erfreut über die subjektive Äußerung, die er nun doch noch ergattert hatte, und die ihm durchaus geeignet erschien, den allmächtigen Befehlshaber in der gewinnenden Rolle des Entsagenden, der auch nicht immer konnte wie er mochte, zu zeigen, hatte der Journalist sich für einen Augenblick über sein Notizbuch gebeugt, und fand, als er wieder aufblickte, das Gesicht der Excellenz — zu seinem Erstaunen —, gänzlich verändert. Die Stirne lag in drohenden Falten, die Augen starrten, weit aufgerissen, erwartungsvoll über den Interviewer hinweg. Der wandte sich rasch um und sah einen blassen, abgemagerten Infanteriehauptmann, mit merkwürdig schlotterndem Gang, grinsend auf die Excellenz zusteuern. Immer näher kam er, — starrte mit gläsern glotzenden Augen und lachte ein häßliches, stumpfsinniges Lachen. Schon sprang der Adjutant erschrocken auf von seinem Tisch, — die Adern seiner Excellenz schwollen wie Taue aus der Stirne, — der Journalist sah ein Attentat kommen und erblaßte. Bis auf einen halben Schritt wankte der unheimliche Hauptmann an die beiden heran. Dann blieb er stehen, kicherte blödsinnig und griff, — wie ein Kind, das nach dem Lichte hascht, — in die dichtgehäuften Orden der Excellenz hinein.

— Sehr schön — — — glänzt schön! — lallte er mit schwerer Zunge; wies mit seinem endlos dünnen, zitterigen Zeigefinger zur Sonne hinauf, gröhlte: — Sonne! — dann, wieder nach den Orden greifend, noch einmal: — Glänzt schön! — Dabei wanderte sein unruhiger Blick, wie suchend, hin und her, und das häßliche, vertierte Lachen wiederholte sich nach jedem Wort.

Die Rechte des Excellenzherrn war in die Höhe geschnellt, um den Kerl, der da so respektlos auf ihn loskam, vor die Brust zu stoßen. Nun legte sie sich dem armen Narren begütigend auf die Schulter.

— Sind wohl aus dem Spital hereingekommen, Herr Hauptmann, zur Musik? — sagte er, und winkte seinem Adjutanten mit den Augenbrauen. — Es ist weit hinaus zum Spital mit der Trambahn! Setzen Sie sich in mein Automobil, das fährt schneller.

— Auto — — — schneller! — — — echote der Irrsinnige mit seinem gräßlichen Lachen, ließ sich geduldig unter den Arm fassen und wegführen. Noch einmal wandte er sich grinsend nach den glitzernden Ordenskreuzen um; dann zog ihn der Adjutant mit sich.

Der General folgte mit den Blicken, bis die beiden das Auto bestiegen hatten. Zwischen seinen Augenbrauen stand, unheildrohend, das „Gewitterzeichen“. Er kochte vor Zorn über die unerhörte Nachlässigkeit, so einen Menschen frei herumlaufen zu lassen! Aber der Zivilist an seiner Seite fiel ihm noch rechtzeitig ein; er bezwang sich und sagte achselzuckend:

— Ja! Das sind so die traurigen Seiten des Krieges. Sehen Sie, schon darum muß der Führer heute weit rückwärts bleiben, wo nichts zu seinem Herzen spricht. Kein Feldherr brächte sonst die nötige Härte auf, wenn er alles Elend in der vordersten Reihe mitansehen müßte.

— Sehr interessant! — hauchte dankbar der Journalist; machte sich rasch eine kurze Notiz, und klappte das Heft zu. Er mußte befürchten, die kostbare Zeit seiner Excellenz bereits allzulange in Anspruch genommen zu haben. Nur eine einzige Frage bat er sich noch erlauben zu dürfen: