— Eine fesche Frau hast, das muß man sagen. Mein Kompliment!
Im nächsten Augenblick fuhr er erschrocken zurück. Das kümmerliche, zusammengesunkene Häufchen auf der Bank sprang plötzlich hoch, wie emporgeschnellt von einer jäh erwachten Kraft.
— Fesche Frau? Ja, ja. Schneidige Frau! — kam es geifernd über die zuckenden Lippen, mit einer Wut, die wie brodelnd die Worte schleuderte, — Hat keine Träne vergossen beim Einwaggonieren. Waren alle fesch wie wir abmarschiert sind. Auch die Frau vom armen Dill. Sehr schneidig! Hat ihm Rosen nachgeworfen in den Zug und war erst seit zwei Monaten seine Frau. — Er kicherte höhnisch und ballte die Fäuste, schwer ankämpfend gegen die Tränen, die ihm in der Gurgel glühten. — Rosen, hehe, und auf ‚Wiedersehen‘ gerufen. So patriotisch waren sie alle! Gratuliert hat unser Oberst dem Dill, weil seine Frau sich so stramm gehalten hat, beim Abmarsch. So stramm, verstehst du, als ging’s zum Manöver.
Torkelnd, auf weitauseinandergespreizten Beinen, stand der Leutnant jetzt aufrecht, stützte sich auf den Arm des Rittmeisters, und starrte ihm mit seinen unsteten Augen erwartungsvoll ins Gesicht.
— Weißt du, was ihm geschehen ist, dem Dill? Ich war dabei. Weißt du was?
Ratlos blickte der Rittmeister auf die andern.
— Geh, komm schlafen. Reg di’ net auf! — stammelte er verlegen.
Mit einem Triumphgeheul fiel ihm der Kranke ins Wort, keifend, mit unnatürlich hoher Stimme:
— Weißt nicht, was ihm geschehen ist, dem Dill? Weißt nicht? So sind wir gestanden, wie jetzt, er hat mir grad das neue Bild zeigen wollen, das ihm seine Frau geschickt hat. Seine tapfere Frau, hehe, seine gefaßte Frau! Denn gefaßt, das waren’s alle. Auf alles gefaßt! Und wie wir so steh’n, schlagt eine Achtundzwanziger ein — ganz weit von uns — gut zweihundert Schritt — haben gar nicht hing’schaut. Da seh’ ich auf einmal was schwarzes fliegen — und der Dill fallt um, mit dem Bild von seiner feschen Frau in der Hand, — und im Kopf steckt ihm ein Stiefel, ein Bein, ein Stiefel mit dem Bein von einem Trainsoldaten, den die Achtundzwanziger zerrissen hat, ganz weit von uns. —
Einen Augenblick hielt er inne, starrte den Rittmeister triumphierend an. Dann sprach er weiter mit einem gehässigen Stolz in der Stimme, und doch ab und zu aussetzend, unterbrochen von einem merkwürdig glucksendem Stöhnen.