Am wahrscheinlichsten bleibt jedoch, daß sich Baron Dalberg der frühern Versprechungen und gegebenen Hoffnungen erinnerte, die er Schillern gemacht, und welche diesen zu seinem verzweifelten Schritte verleitet. Jetzt, nachdem der Herzog von Württemberg nicht die mindeste Vorkehrung zur Habhaftwerdung des Flüchtlings getroffen, konnte mit voller Sicherheit und ohne sich im mindesten bloß zu stellen, demselben Genugtuung gegeben, die öfters mahnenden Wünsche der Schauspieler erfüllt, sowie durch Anstellung eines solchen Dichters der Bühne ein Glanz erteilt werden, der sie über alle andern von Deutschland erhob, und von welcher der größte Teil ihres Ruhmes auf deren Intendanten zurückstrahlen mußte.
Möge nun dieser oder jener Beweggrund den Brief des Baron Dalberg an Schillern veranlaßt haben, so ist es, zur Rechtfertigung des letztern, von der größten Wichtigkeit zu zeigen, daß er auch jetzt wieder, wie im Jahre 1781 angelockt, ja gewissermaßen zur Veränderung seines Aufenthaltes aufgefordert worden, ohne daß er es gesucht oder sich deshalb beworben hätte. Der anteilnehmende Leser möge diesen Umstand um so weniger übersehen, weil es zur unparteiischen Beurteilung des Schicksals und Benehmens des Dichters unumgänglich notwendig ist zu wissen, durch wen und durch was er zu nachteiligen Schritten verleitet worden. Nachfolgendes ist die Antwort (S. Schillers Briefe an Freiherrn von Dalberg S. 80), welche auf die Anfrage erteilt wurde.
S.-Meiningen, den 3. April 1783.
Euer Exzellenz verzeihen, daß Sie meine Antwort auf Ihre gnädige Zuschrift erst so spät erhalten – – – –
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Daß Euer Exzellenz mich auch in der Entfernung noch in gnädigem Andenken tragen, kann mir nicht anders als schmeichelhaft sein. Sie wünschen zu hören, wie ich lebe?
Wenn Verbannung der Sorgen, Befriedigung der Lieblingsneigung, und einige Freunde von Geschmack einen Menschen glücklich machen können, so kann ich mich rühmen, es zu sein.
E. E. scheinen, ungeachtet meines kürzlich mißlungenen Versuchs, noch einiges Zutrauen zu meiner dramatischen Feder zu haben. Ich wünschte nichts, als solches zu verdienen; weil ich mich aber der Gefahr, Ihre Erwartung zu hintergehen, nicht neuerdings aussetzen möchte, so nehme ich mir die Freiheit, Ihnen einiges von dem Stück vorauszusagen.
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