Wenn diese Fehler, die ich E. E. mit Absicht vorhersage, für die Bühne nichts Anstößiges haben, so glaube ich, daß Sie mit dem übrigen zufrieden sein werden. Fallen sie aber bei der Vorstellung zu sehr auf, so wird alles übrige, wenn es auch noch so vortrefflich wäre, für Ihren Endzweck unbrauchbar sein und ich werde es besser zurückbehalten. – –

Dr. Schiller.

Wer diesen Brief gegen die früheren vergleicht, dem muß die kalte geschraubte Sprache desselben auffallen, indem darin durchaus nichts ist, woraus zu schließen wäre, Schiller bewerbe sich wieder um den Schutz des Baron Dalberg. Eher noch sind Vorwürfe gegen diesen nicht undeutlich ausgesprochen, denn die Schilderung der Unabhängigkeit und des Glücks, welches der Dichter jetzt genieße, scheint absichtlich als Gegensatz angeführt zu sein.

Ungeachtet alles dessen wurde der Briefwechsel fortgesetzt, und Schiller konnte der süßtönenden Stimme um so weniger widerstehen, als nach seinen Begriffen die Schaubühne sowie die Arbeiten für dieselbe einen Einfluß und eine Wichtigkeit hatten, die durch keine andere Kunst oder Wissenschaft bewirkt werden könne. Und bei der ersten Bühne Deutschlands sollte er nun Dichter, Lenker eines reinen, veredelten Geschmackes werden! Jetzt wäre der Zeitpunkt eingetreten, wo er seine Ideale, die Geschöpfe seiner Einbildungskraft lebend, handelnd der gespannten Aufmerksamkeit einer Menge von Zuschauern vorführen könnte! Und diese so lang ersehnte Gelegenheit sollte er zurückweisen?

Zu viel wäre dieses gefordert! Er mußte dem Anerbieten entsprechen und traf auch in den ersten Tagen des Septembers 1783,[5] nur von Herrn Meier und dessen Frau erwartet, in Mannheim ein.

Seinem zurückgelassenen Freunde S. wurde absichtlich von der ganzen Unterhandlung nichts gesagt, weil er sich (da sein eignes Glück durch den unnützen Aufenthalt in Oggersheim gestört worden) schon zu oft gegen das Versprechen und Verlocken geäußert und das Verfahren gegen den unglücklich gemachten Dichter bei seinem wahren Namen benannt hatte.

Auch wurde ihm durch dieses Verheimlichen eine Überraschung bereitet, die vollkommen gelang. Denn als er zur gewöhnlichen Stunde bei Herrn Meier eintrat, konnte er kaum seinen Augen glauben, daß es der in weiter Entfernung vermeinte Schiller sei, welcher mit der heitersten Miene und dem blühendsten Aussehen ihm entgegentrat.

Nach den herzlichsten Umarmungen und nachdem die eiligsten Fragen beantwortet waren, kündigte Schiller seinem Freund an, daß er von Baron Dalberg als Theaterdichter nach Mannheim berufen worden und als solcher mit einer Besoldung von 300, sage: dreihundert, Gulden Reichswährung nächstens sein Amt antreten werde. Seine Zufriedenheit über diese Anstellung sprach aus jedem Wort, aus jedem Blick, und er mochte sich wohl denselben Himmel in der Wirklichkeit dabei denken, der auf dem Theater oft so täuschend dargestellt wird.[6]

Unter dem ruhigen Genuß seiner Freunde und der Schaubühne – unter einer Menge von Plänen und Besprechungen über seine künftigen Arbeiten vergingen mehrere Wochen, und ehe er noch an den Abänderungen des Fiesco oder der Luise Millerin etwas angefangen hatte, überfiel ihn das kalte Fieber, welches ihn anfänglich zu allem untüchtig machte.