Friedrich S.
Wahrlich, ein Beweis, wie er als Sohn, Bruder und Mann dachte, läßt sich durch nichts so offen, kräftig und schön als durch diesen Brief darstellen, dessen Inhalt um so schätzbarer ist, da er im größten Vertrauen geschrieben wurde und sich keine Ursache finden konnte, einen Gedanken anders auszudrücken als ganz so, wie er entstand. Denn diese Anhänglichkeit, diese kindliche und brüderliche Liebe war nebst dem stolzen Gefühl für Ehre und Erwerbung eines berühmten Namens der mächtigste Sporn für ihn, um durch sein Talent das Glück der Seinigen ebenso gewiß als sein eignes zu befördern. Schon in Stuttgart, noch eh' er den Entschluß zu entfliehen gefaßt hatte, war dieses sehr oft der Inhalt seiner vertrauten Gespräche, so wie es auch, da er die Unmöglichkeit einsah, diesen Wunsch in seinen drückenden Verhältnissen verwirklichen zu können, ein Grund mehr wurde, sich eigenmächtig zu entfernen. Auf das treueste schildert er zehn Jahre später seine damaligen Erwartungen in dem Gedicht: Die Ideale
»Wie sprang, von kühnem Mut beflügelt,
Beglückt in seines Traumes Wahn,
Von keiner Sorge noch gezügelt,
Der Jüngling in des Lebens Bahn!
Bis an des Äthers bleichste Sterne
Erhob ihn der Entwürfe Flug,
Nichts war so hoch und nichts so ferne,
Wohin ihr Flügel ihn nicht trug.
Wie leicht ward er dahin getragen,
Was war dem Glücklichen zu schwer!
Wie tanzte vor des Lebens Wagen
Die luftige Begleitung her!
Die Liebe mit dem süßen Lohne,
Das Glück mit seinem goldnen Kranz,
Der Ruhm mit seiner Sternenkrone,
Die Wahrheit in der Sonne Glanz!«
So waren seine Hoffnungen, als er das Kleinliche, Eigensüchtige der Menschen noch nicht aus der Erfahrung kannte, als quälende Sorgen mit ihren zackichten Krallen sich noch nicht an ihn geklammert hatten, als er noch glauben durfte, die Deutschen zu sich erheben und ihnen etwas Höheres als bloße Unterhaltung darbieten zu können.
Nur zu bald mußte er ausrufen:
»Doch ach! schon auf des Weges Mitte
Verloren die Begleiter sich,
Sie wandten treulos ihre Schritte,
Und einer nach dem andern wich.«
Aber sein Mut blieb dennoch unbeugsam! Denn was tausend andere in ähnlichen Verwicklungen niedergedrückt oder zur Verzweiflung gebracht hätte, wurde von seinem mächtigen Geiste – der immer nur das höchste Ziel im Auge behielt – entweder gar nicht beachtet oder, wenn es auch schmerzte, nur belächelt.