Damals zog sich der Sommergarten weit hin, und das Marsfeld mußte ein ordentliches Stück seiner Fläche für die Alleen des Gartens hergeben, jenen Alleen, die dem kaiserlichen Herzen so nahelagen; riesige Muscheln aus indischen Gewässern streckten hier von den rauhen Steinen der Grotte ihre rosafarbigen Fühler in die Luft, und die hohe Persönlichkeit näherte, den pleureusengeschmückten Hut abnehmend, neugierig das Ohr der rosigen Öffnung: ein chaotisches Summen drang ihr entgegen; inzwischen labten sich andere hohe Persönlichkeiten vor der Grotte an Fruchtsaftwasser.
Auch in späteren Zeiten hörte man öfters Lachen, Seufzer und Flüstern vor der Statue, die in malerischer Pose ihre Hände in den dämmernden Tag vorstreckte; dabei glänzten die Perlen der Hoffräulein. Im Frühling war es, am Pfingsttag; die Abendluft verdichtete sich; plötzlich wurde sie von Orgeltönen erschüttert, die aus einer Gruppe schlummernder Ulmen hervorbrachen; und von derselben Ecke aus breitete sich plötzlich spaßiges grünes Licht aus; von diesem grünen Licht beschienen, bliesen grellrote Jägermusikanten in ihre Hörner, und von den melodischen Tönen erzitterte die Luft, die Seelen der Zuhörer in ihren Tiefen aufwühlend; hast du das sehnsuchtsvolle Weinen der in die Luft emporgehobenen Hörner nicht vernommen?
Das war alles einmal gewesen; jetzt ist es vorbei; jetzt laufen düster verstimmt die Wege des Sommergartens auseinander; eine schwarze, ruhelose Vogelschar kreiste über dem Peterhäuschen; unerträglich war ihr Gezwitscher und das Aufschlagen der vielen Flügel; die schwarze, ruhelose Schar ließ sich störend auf die Zweige niederfallen.
Nikolai Apollonowitsch, parfümiert und rasiert, schritt, in seinen Wintermantel gehüllt, über den hartgefrorenen Weg; sein Kopf sank auf den Pelz, und die Augen glänzten eigentümlich. Er hatte gerade beschlossen, sich in Arbeit zu vertiefen, als ihm ein Zettelchen überreicht wurde; mit unbekannter Schrift lud ihn jemand zu einem Stelldichein in den Sommergarten ein; die Unterschrift war ein »S«. Wer mochte sich hinter dem geheimnisvollen »S« verbergen? »S« ist — Sofja (sie hat wohl ihre Schrift verändert). Nikolai Apollonowitsch, frisch rasiert und parfümiert, schritt über den hartgefrorenen Weg weiter.
Er sah aufgeregt aus; er hatte in diesen Tagen keinen Appetit, keinen Schlaf gehabt; eine dünne Staubschicht legte sich ungehindert auf die aufgeschlagene Seite des Kant. Ein Strom süßer Gefühle zog durch die Seele Nikolai Apollonowitschs; Ähnliches hatte er auch schon früher empfunden. — Dumpf, fern. Aber seit er durch sein eigenes Vorgehen in Sofja Petrowna die unbestimmten Schauer geweckt hatte, war auch er von diesem Schauer erfaßt; als hatte er in ihm selbst schlummernde Kräfte in unergründeten Tiefen geweckt; als wäre in ihm eine Äolssaite gesprungen und anderer Leidenschaften — Kinder hätten ihn durch die Lüfte in andere Länder getragen. Sollten auch das nur die wiedergekehrten, rein sinnlichen Empfindungen sein? Oder war es am Ende — die Liebe? Aber die Liebe verneinte er.
Er sah sich bewegt um nach der bekannten Gestalt im Pelzmantel mit kleinem, schwarzem Muff; doch niemand war auf den Wegen zu sehen. Auf einer nahen Bank saß eine nachlässig gekleidete Frauensperson. Diese erhob sich plötzlich, trippelte erst eine Weile an der Bank herum und ging dann auf ihn zu.
»Sie haben mich . . . nicht erkannt?«
»Ach ja, guten Tag!«
»Sie scheinen mich auch jetzt nicht zu erkennen? Ich bin — Solowjowa.«
»Aber natürlich erkannte ich Sie, Warwara Ewgrafowna!«