Plötzlich der Schwere beraubt, ja selbst des Empfindens der Körperlichkeit, ganz Gesicht und Gehör, von jedem anderen Gefühl befreit, hob er die Stellen der Augen (denn die Augen waren nicht mehr: jede Körperlichkeit war ja entschwunden!) in die Richtung seines eigenen Scheitels und merkte, daß kein Scheitel mehr existierte, denn dort, wo sonst das Hirn von festen Knochen gehalten wurde, war jetzt eine runde Öffnung, die zur dunkelblauen Ferne strahlte, und über dieser Öffnung hing ein rotierendes Rad aus tanzenden, sprühenden Funken; im Augenblick, als Apollon Apollonowitsch den Mongolen an seinen kraftlosen Körper heranschleichen fühlte — im selben Augenblick begann ein Etwas, das wie der Wind im Schornstein heulte und pfiff, das Bewußtsein Apollon Apollonowitschs in die unendlichen Sternfernen emporzuziehen.

Hier geschah ein Skandal (das Bewußtsein Apollon Apollonowitschs konstatierte, daß schon einmal ein ähnlicher Fall vorgekommen war: wo, wann — dessen erinnerte er sich nicht) — hier geschah ein Skandal: der Wind blies das Bewußtsein Apollon Apollonowitschs aus Apollon Apollonowitsch. Durch die runde, strahlende Öffnung flog er hinaus in das Blau der Gestirne als goldener, federleichter Stern; als er genügend hoch über seinem eigenen Kopfe schwebte (der ihm als Planet erschien); zerstob der goldene Stern, einer Rakete gleich, lautlos in Luft . . .

Ende des dritten Kapitels.

Viertes Kapitel

Der Sommergarten

Nüchtern, vereinsamt liefen die Wege des Sommergartens auseinander; mit eiligen Schritten durchquerte sie der düster dreinschauende Passant, um sich dann in der hoffnungslosen Ödigkeit des Marsfeldes zu verlieren.

Verstimmt lag der Sommergarten da.

Die Sommerstatuen flüchteten sich unter die Holzverschläge; die großen Bretter glichen in ihrer Längsseite, der Form nach, einem Sarg; diese Särge umstanden die schmalen Gartenwege; in diesen Särgen verbargen sich Nymphen und Satyre, damit der Zahn der Zeit nicht an ihnen mit Regen, Schnee und Frost nagen konnte; denn die Zeit — sie zernagt alles mit ihrem eisernen Zahn; sie zernagt in gleicher Weise den Körper wie die Seele und selbst die Steine. —

Mit dem Verschwinden der alten Zeiten verödete der Garten, er wurde grau, schrumpfte zusammen; die Grotte zerfiel, die Springbrunnen murmelten nicht mehr, die Sommergalerie war zerstört, der Wasserfall ausgetrocknet; zusammengeschrumpft lag der Garten geduckt hinter dem Gitterzaunwerk.

Peter selbst war es, der den Garten angelegt hat; mit seiner eigenen Gießkanne begoß er die Pflanzen; er ließ Zedern aus Solikamsk, Sauerdorn aus Danzig und Apfelbäume aus Schweden herbeibringen; er errichtete Wasserspiele, und ihre Sprühregen glitzerten zuweilen wie leichtes Spinngewebe auf den roten Kamisolen der allerhöchsten Persönlichkeiten, mit gepuderten Locken, schwarzen Arabergesichtern und den eleganten Hofdamen in kostbaren Roben; gestützt auf den geschliffenen Griff des schwarzen, goldverzierten Stockes, führte der grauhaarige Kavalier seine Dame an das Bassin, wo vom dunkelgrünen, schäumenden Grund, prustend, der Seehund seine Schnauze hervorstak; ein geängstigtes »Ach!« von seiten der Dame, indessen der Kavalier scherzhaft lächelte und seinen Stock dem schwarzen Monstrum entgegenhielt.