Anna Petrowna schien es plötzlich, daß der Lakai sie ein klein, klein wenig vorwurfsvoll anblickte; das schien ihr wohl; der Lakai blinzelte nur von dem blendenden Glanz der untergehenden Sonne, während er ihr die Tür zum Salon öffnete.

»Und Kolenka?«

»Kolenka? Nikolai Apollonowitsch? O, der ist so gescheit. Macht Fortschritte in den Wissenschaften; und auch sonst, wie und wo es sich gehört . . . Ein bildhübscher, junger Herr!«

»Aber was sagen Sie da? Er war doch immer in den Vater . . .«

Sie sagte es, ließ die Augen sinken und machte sich an dem Handtäschchen zu schaffen.

An den Wänden dieselben hochbeinigen Stühle; zwischen den Stühlen mit den cremefarbigen Plüschsitzen überall kleine weiße Säulen; und von jeder dieser Säulen sah sie ein strenger Mann aus kaltem Alabaster vorwurfsvoll an. Und direkt feindlich funkelte sie das grünliche, alte Spiegelglas an, unter dem sie mit dem Senator das entscheidende Gespräch hatte; dort weiter — die blaßtönigen Bilder — die pompejanischen Fresken; diese Fresken brachte ihr der Senator, als sie seine Braut gewesen war — vor nun dreißig Jahren.

Anna Petrowna wurde wieder von der alten Gastlichkeit des Salons erfaßt; von dem Lack und äußeren Glanz; wie in alter Zeit bedrückte etwas ihre Brust; die alte Feindseligkeit wälzte sich nach oben, bis zur Kehle; Apollon Apollonowitsch wird ihr vielleicht verzeihen; sie ihm aber — nie; im lackierten Heim entluden sich die Lebensgewitter lautlos, aber ihre Entladungen waren tötend.

So wurde sie von aufgetauchten, dunklen Gedanken zu feindlichen Ufern gejagt; zerstreut lehnte sie sich gegen das Fenster und blickte auf die rosigen Wölkchen, die über die Newawellen dahinglitten.

»Bleiben gnädige Frau bei uns?«

»Ich? . . . Ich wohne im Hotel.«