Ach, er ist eben krank, das ist es . . .
Die Dunkelheit brach herein: sie überfiel alles, besiegte alles; ernst und drohend traten Tisch, Lehnstuhl und Schrank im Raum hervor; die Dunkelheit trat in seine Seele ein — er weinte: zum erstenmal erblickte er vor sich Nikolai Apollonowitsch in seiner wahren moralischen Gestalt. Wie kam es, daß er ihn nicht früher erkannt hatte? Wie kam es? . . .
Er erinnerte sich seiner ersten Begegnung mit Ableuchow (in einem ihm bekannten Zirkel hielt damals Nikolai Apollonowitsch einen Vortrag, in dem er alle Werte umwertete): der allgemeine Eindruck war kein angenehmer; dann später: es kann nicht geleugnet werden: Ableuchow hatte doch ein ganz besonderes Interesse für Parteigeheimnisse gezeigt; mit der plump-zerstreuten Miene eines Degenerierten hat er überall seine Nase hineinzustecken gewußt: die Zerstreutheit kann ebensogut eine Heuchelei gewesen sein. Alexander Iwanowitsch sagte sich: ein Provokateur höheren Genres kann sehr wohl das Äußere Ableuchows haben — diese verträumt traurigen Augen (die einem fremden Blick nicht standhielten) wie den Froschausdruck des langgezogenen Mundes; langsam näherte sich Alexander Iwanowitsch der Überzeugung, daß sich Ableuchow in der ganzen Sache höchst sonderbar aufgeführt hatte; und — Dutzende gehen zugrunde! . . .
Je mehr er sich selbst zu überzeugen suchte, daß an der Zerstörung der Organisation in T. T. Ableuchow beteiligt war, um so mehr wich das bedrückende Gefühl, das ihn während des Gesprächs mit der Persönlichkeit befallen hatte; eine gewisse Leichtigkeit und Sorglosigkeit rann in seine Seele. Alexander Iwanowitsch hatte seit jeher den Senator besonders gehaßt. Er empfand Apollon Apollonowitsch gegenüber einen Ekel, einen förmlichen Ekel, wie ihn die Menschen vor der Tarantel empfinden; Nikolai Apollonowitsch aber hatte er zuweilen direkt geliebt; jetzt hatten sich für ihn der Senator und der Senatorsohn zu einem gemeinsamen Etwas verschmolzen, das in ihm nicht nur Ekel auslöste, sondern auch den Wunsch hervorrief, diese Tarantelbrut auszurotten, zu vernichten.
»O, ihr Gewürm! . . . Dutzende gehen zugrunde! . . . O, ihr Gewürm . . .«
Selbst die Tausendfüßler sind besser, selbst die gelbbraune Tapete, selbst die Persönlichkeit; in der Persönlichkeit ist wenigstens Größe des Hasses vorhanden; mit der Persönlichkeit kann man sich wenigstens in dem Wunsch, zu zerstören, zu vernichten, eins fühlen.
»O, ihr Gewürm! . . .«
Aus dem Zimmer nebenan lockte bereits der gastfreundlich gedeckte Tisch; allerlei Schmackhaftigkeiten waren auf dem Tisch aufgestellt: Wurst, Aal und kalter Kalbsbraten; man hörte die etwas ermüdete Stimme der Persönlichkeit und die des Schischnarfijew, der sich verabschiedete; endlich war er fortgegangen.
Gleich darauf trat die Persönlichkeit in das Arbeitszimmer, trat zu Alexander Iwanowitsch und legte ihm die schwere Hand auf die Schulter:
»So ist es! . . . Es ist besser, wir streiten uns nicht, Alexander Iwanowitsch: Wenn die, die zueinander gehören, sich herumstreiten, . . . was soll dann überhaupt werden? . . .«