»In seinen Armen das Kind war tot . . .«
Das ganze Leben nach jenem Augenblick erwies sich als ein Spiel der Nebel. Das Stück Kindheit verschwand.
In nassem Glanz blinkten die Fenster, die Vitrinen, die Wasserrinnen; die graubraune Nässe der Trottoirs glänzte; Gummiräder spritzten Kot auf alle Seiten. In der dunstigen Nässe verschwand Nikolai Apollonowitsch unter den aufgespannten Regenschirmen der Passanten; es war, als schöben sich die Riesenkörper der Häuser aus dem Luftraum in einen anderen, unbekannten Raum; es blinkten von dort ihre Konturen herüber, die ineinander verwobenen Karyatiden, Spitzen, Mauern.
Die Kraniche
Nikolai Apollonowitsch wünschte sich in die Heimat zurück, in die Kindheit, denn auf einmal begriff er es: er war — ein kleines Kind.
Er mußte alles, alles von sich abstreifen, vergessen; er mußte alles, alles, wieder lernen, wie man es in der Kindheit einmal lernt; die alte vergessene Heimat — jetzt hört er sie wieder. Und — schon, schon hörte er überall die Stimme der traurigen, aber doch lieben Kindheit, die lange nicht mehr erklungene Stimme, die nun zu klingen begann.
Jener Stimme Laut?
Wie man in der Stadt den Schrei der Kraniche nicht hört, so hört man auch diese Stimme nicht: hoch oben schweben die Kraniche; in dem Gepolter der Stadt hören sie die Städter nicht; sie aber fliegen, fliegen, über die Stadt dahin — die Kraniche! . . . An irgendeiner Stelle, vielleicht auf dem Newskij-Prospekt, bleibt im Lärm der dahinsausenden Droschken, unter dem Schrei der Zeitungsverkäufer, in vorabendlicher Stunde zur Frühlingszeit ein Mann wie angewurzelt auf dem Trottoir stehen, ein Bewohner der Felder, der zufällig in die Stadt gekommen war; er bleibt stehen — neigt den struppigen Kopf mit dem bärtigen Gesicht auf die Seite und redet dich an:
»Tsss! . . .«