»Guten Morgen, Kolenka!«
Und jeder wird dann in sein eigenes Zimmer gehen.
Dann — dann: der Schlüssel wurde umgedreht; er schleicht sich zu der Stelle an der Wand, wo sie durchbohrt ist, um zu sehen; horchen, zuweilen zittern, zusammenfahren in Erwartung des sich ihm eröffnenden Geheimnisses; in welcher Weise wird sich die Vertraulichkeit zwischen Nikolai und jenem, mit dem Schnurrbärtchen, äußern; in der Nacht wird er dann, die Decke von sich werfend und den schweißbedeckten Kopf vorstreckend, über das Gehörte grübeln, wird Oblaten zu sich nehmen, um die schmerzhaften Schläge des Herzens zu beschwichtigen, und wird zum unvergleichlichen Örtchen rennen: mit den Pantoffeln durch den Korridor schlürfen . . . bis ein neuer Morgen graut.
»Guten Morgen, Vater!«
»Guten Morgen, Kolenka!«
Das ist das Leben eines Privatmannes.
Ein unüberwindlicher Drang trieb ihn, in das Zimmer des Sohnes zu treten; schüchtern knarrte die Tür: er war im Empfangszimmer; er blieb an der Schwelle stehen; ganz klein, greisenhaft; er zupfte an den himbeerroten Schnüren seines Morgenrockes und betrachtete das Durcheinander, das hier herrschte: den Vogelkäfig mit den Papageien, das arabische Taburett mit Inkrustation aus Elfenbein und Kupfer; dann die Geschmacklosigkeit: den roten Domino, dessen üppige Falten wie Feuergarben oder fließende Hirschgeweihe vom Taburett herunterquollen, direkt zum Leoparden hinunter, der auf dem Boden mit fletschendem Maul ausgestreckt lag; Apollon Apollonowitsch stand eine Weile, kaute mit dem leeren Mund, kratzte sich das wie mit Reif bedeckte Kinn und wandte sich voll Abscheu ab (er kannte ja die Geschichte mit der Maske).
Apollon Apollonowitsch schien es, als wenn es hier schwül wäre; statt mit Luft war die Atmosphäre hier mit Blei angefüllt; als wären hier furchtbare, unerträgliche Gedanken gedacht worden . . . Ein unangenehmes Zimmer! Und eine unangenehme Atmosphäre! . . .
Da — ein leidvoll lächelnder Mund, kornblumenblaue Augen, wie eine lichte Aureole die Haare: in eng anliegender Studentenuniform mit sehr schmaler Taille, weiße Glacéhandschuhe in der Hand, frisch rasiert (vielleicht parfümiert), den Säbel an der Seite, stand sein Sohn Nikolai Apollonowitsch im Rahmen und litt: Apollon Apollonowitsch betrachtete einen Augenblick lang aufmerksam das Porträt, das im vergangenen Frühjahr gemalt worden war, und schritt in das Nebenzimmer.