Und — die erste Nacht; das Grauen in den Augen der mit ihm allein gebliebenen Gefährtin — der Ausdruck des Ekels, der Verachtung, verborgen unter dem ergebenen Lächeln der Duldenden; in jener Nacht hatte Apollon Apollonowitsch Ableuchow, ein bereits hochgestellter Beamter, einen verbrecherischen, formell erlaubten Akt begangen: er hatte ein Mädchen vergewaltigt; diese Vergewaltigungsakte geschahen Jahre hindurch; und in einer solchen Nacht wurde Nikolai Apollonowitsch gezeugt — zwischen zwei verschiedenen Lächeln: zwischen dem Lächeln der Wollust und dem der Ergebenheit; ist es verwunderlich, daß Nikolai Apollonowitsch dann die Mischung aus Verachtung, Angst und Wollust in sich verkörperte? Sie hätten sogleich beide an die Aufgabe gehen sollen: das von ihnen gezeugte Grauen zu erziehen, das Grauen zu vermenschlichen.

Sie aber fachten es noch mehr an.

Und nachdem sie selbst dieses Grauen bis zum Äußersten trieben, flüchteten sie sich alle selbst vor dem Grauen: Apollon Apollonowitsch in die hohe Verwaltung, in der die Schicksale Rußlands bestimmt wurden; Anna Petrowna — zur Befriedigung ihrer erwachten Geschlechtstriebe zu Mantalini (dem italienischen Sänger); Nikolai Apollonowitsch in die Philosophie; und von dort in die Versammlungen von Abiturienten nicht existierender Hochschulen. Ihr heimischer Herd verwandelte sich in eine Stätte der Verwüstung.

An diese Stätte wird er jetzt nun wieder zurückkehren; statt Anna Petrowna wird ihm nur die geschlossene Tür zu ihren Appartements entgegensehen, falls sie nicht die Lust verspüren wird, in seine Verwüstung zurückzukehren; die Schlüssel zu diesen Appartements hat er bei sich (zweimal war er in diesen Teil des kalten Hauses getreten, um dort ein Weilchen zu sitzen; beide Male hatte er Schnupfen davongetragen).

Statt des Sohnes aber wird er ein Auge erblicken — ein zwinkerndes, ausweichendes Auge — groß, leer und kalt, von kornblumenblauer Farbe; ein halb diebisches, halb grenzenlos erschrockenes; in diesem Auge wird sich das Grauen verbergen — jenes Grauen, das sich in den Augen der Neuvermählten gemalt hatte, in jener Nacht, da Apollon Apollonowitsch Ableuchow, der hohe Beamte, zum erstenmal . . .

Wenn er sich nicht mehr im Staatsdienst befinden wird, können auch die anderen Paradezimmer geschlossen werden; nur der Korridor wird offenbleiben mit den anschließenden Räumen für ihn und den Sohn: sein ganzes Leben wird sich auf den Korridor beschränken; seine Pantoffel werden dort schlürfen; und dann wird es noch geben: Zeitunglesen, das Verrichten körperlicher Notdürfte, das unvergleichliche Örtchen und die Fertigstellung der Lebensmemoiren.

Ja, ja, ja!

Und die Tür, die zum Zimmer des Sohnes führt — davor wird er stehenbleiben und — durchs Schlüsselloch hineingucken, dann aber, bei jedem verdächtigen Geräusch — zurückspringen; oder nein, er wird an einer passenden Stelle ein Loch durch die Wand bohren, und — seine Mühe wird belohnt werden: das Zimmertreiben seines Sohnes wird vor seinen Blicken offenliegen wie der Mechanismus einer aus dem Gehäuse entfernten Uhr. Von diesem Beobachtungspunkt aus wird er andere als staatliche Interessen verfolgen können.

Und doch wird alles nur sein:

»Guten Morgen, Vater!«