»Ich verstehe es . . . Ich verstehe schon, Ssergeij Ssergeijewitsch . . . Beruhigen Sie sich, aber . . . Ich bitte Sie, nicht so laut . . .«
Er glitt in die Ecke und kauerte dort von Schweiß übergossen nieder.
Am liebsten hätte er die Augen geschlossen und sich die Ohren zugestopft, um ja nicht das halbwahnsinnige, rote Gesicht zu sehen und die krähende, tonlose Stimme hören zu müssen:
»Aah . . . Eine solche Sache . . . da muß jeder anständige Mensch . . . aah . . . jeder anständige Mensch . . . muß da eingreifen . . . ohne auf seine Stellung . . . ohne auf die Etikette zu achten . . .«
Nikolai Apollonowitsch dachte:
»Soll ich jemand zu Hilfe rufen?
Aber wen? Nein, es ist zu spät: noch ein Augenblick, und alles wird zu Ende sein!«
Er öffnete die Augen — und erblickte über sich (er kauerte ja noch immer am Boden) zwei weit auseinander gespreizte Beine; ohne sich lange zu besinnen, entschloß er sich: mit fletschendem, gleichsam lachendem Mund, mit flachsweiß wehenden Haaren schwang er sich zwischen den zwei Beinen hindurch und rannte wie ein Pfeil zur Tür; doch . . . fünf Finger erfaßten ihn schmachvoll beim Schoß seines Rockes; sie klammerten sich fest und — knackend riß der kostbare Stoff entzwei.
»Bleiben Sie doch . . . bleiben Sie doch . . . Ich . . . ich . . . ich . . . töte Sie doch nicht . . . Bleiben Sie doch . . . Es drohen Ihnen keine Gewalttätigkeiten . . .?«
Durch einen groben Stoß wurde Nikolai Apollonowitsch wieder in die Ecke geschoben, so daß er mit dem Rücken an die Wand anschlug; dort in der Ecke blieb er stehen, schwer atmend, fast weinend über die Garstigkeit der Szene; er begriff nun: es war nicht Lichutin, der von ihm beleidigte Offizier, der hier tobte, ja nicht einmal ein von Rachegefühlen gepeitschter Feind, sondern ein Geistesgestörter, mit dem man nicht reden kann; noch hatte sich der Irrsinnige, der ja als solcher kolossale Muskelkraft besitzt, nicht über ihn gestürzt; aber er wird es gleich tun, sicherlich.