Nikolai Apollonowitsch schien nicht weiter sprechen zu können; er wandte sich ab; nach einer Weile kehrte er wieder sein Gesicht dem Offizier zu.
In der schattigen Ecke zeichnete sich stolz die gekrümmte Figur, — wie es dem Offizier schien — aus fließenden Helligkeiten, ein schmerzhaft lächelnder Mund, kornblumenblaue Augen; die flachsweißen Haare wie eine lichte Aureole um den Kopf; die Stirn glänzend weiß und hoch; empört, beleidigt, schön, stand er dort, gehoben durch den grellroten Fond der Tapete.
Der seidene Kragenschoner baumelte sehr unangebracht herunter und seinem Rock fehlte — ach! — die eine Schoßhälfte . . .
So stand er: aus den tiefen Augenhöhlen blickte auf den Offizier eine kalte, dunkle Leere; sie schmiegte sich an ihn, gab ihm die Empfindung des Eises. Lichutin schien es, als wäre er mit all seiner physischen Kraft, seinem gesunden Verstand (denn er glaubte gesunden Verstand zu besitzen), mit all seinem Edelmut nur — ein Gespenst.
»Aber ich glaube Ihnen, ich glaube Ihnen« — verlegen fuchtelte Lichutin mit den Händen.
»Ich habe eigentlich«, sagte er ganz beschämt, »gar nicht gezweifelt . . . Ich muß mich wirklich schämen . . . Ich bin etwas aufgeregt . . . Mir erzählte meine Frau . . . Man hat ihr einen Zettel aufgenötigt . . . Sie las ihn durch: sie hatte das Kuvert aus Versehen aufgemacht« — log er dazu und errötete.
Ableuchow klammerte sich schadenfroh an das Gesagte:
»Gewiß: wenn Sofja Petrowna den an mich adressierten Zettel gelesen hat, dann hatte sie« (er zuckte mit den Achseln) »wohl das Recht gehabt« (seine Stimme klang hier sehr ironisch), »Ihnen den Inhalt mitzuteilen.« Ganz hochmütig ließ er die letzten Worte fallen und trat aus der Ecke.
»Ich . . . ich . . . war etwas hitzig gewesen.« Des Offiziers Blick streifte den abgerissenen Schoßteil.
»Was den Rock betrifft — haben Sie keine Sorge: ich nähe den Schoß selbst wieder an.«