Aber mit kaum merklichem Lächeln sprach Nikolai Apollonowitsch, stolz und etwas belehrend:

»Sie wußten nicht, was Sie taten.«

In den tiefblauen Augen lag eine unklare, geheimnisvolle Traurigkeit.

»Also gehen Sie doch, zeigen Sie mich an, wenn Sie mir nicht glauben.«

Und er wandte sich ab.

Die breiten Schultern begannen auf und ab zu gehen . . . Nikolai Apollonowitsch brach plötzlich in Weinen aus; aber: Nikolai Apollonowitsch, der sich von seiner groben, tierischen Angst befreit hatte, gewann völlig Mut; ja noch mehr: in diesem Augenblick wünschte er sogar, der Leidende zu sein. So wenigstens empfand er jetzt sich selbst, er empfand sich als einen der Qual überlieferten Helden; als einen, der vor aller Welt Leiden und Schmach erdulden mußte; seinen Körper empfand er als — zerquälten Körper; seine Gefühle waren zerrissen wie sein »Ich«; er erwartete, daß aus seinem zerrissenen »Ich« eine blendende Helligkeit hervorsprühen und eine liebe Stimme — aus dem Inneren, wie schon so oft früher — ihm zurufen wird:

»Du hast für mich gelitten: ich wache über dich.«

Aber die Stimme blieb aus. Auch die Helligkeit blieb aus. Es gab nur Dunkelheit. Auf einmal begriff er, warum die versöhnende Stimme: »Du hast für mich gelitten«, — ausblieb. Weil er für niemand gelitten hatte, weil er nur für sich selbst gelitten hat . . . Weil er nur eine widerwärtige Suppe sozusagen, die er sich selbst eingebrockt, auszulöffeln hatte. Deswegen kam die Stimme nicht und blieb auch die Helligkeit aus. An Stelle des früheren »Ich« war Dunkelheit. Deswegen konnte er nicht mehr standhalten: seine breiten Schultern begannen auf und ab zu gehen.

Er wandte sich ab, er weinte.

»Wirklich,« ertönte hinter ihm eine friedliche, milde Stimme, »ich habe mich geirrt, ich habe die Sache mißverstanden . . .«