Sie schlang ihre Arme um seinen dicken Hals und schluchzte:

»Ich bin ein treues Weib, ein ergebenes Weib . . .«

»Lassen Sie es nur . . . Lassen Sie es nur . . . Schon gut . . . Soja Sacharowna, lassen Sie mich los . . . Sie wissen doch, daß ich an Atemnot leide . . .«

Er umfaßte mit den Fingern ihre Hände und entfernte sie vom Halse; dann ließ er sich in den Sessel nieder; er atmete schwer.

»Sie wissen ja, daß ich ein weicher und schwachnerviger Mensch bin . . . Jetzt bin ich schon wieder . . .«

Beide schwiegen.

In tiefem, schwerem Schweigen, das sich nach einem langen, erregenden Gespräch einstellt, wenn alles gesagt ist, wenn die Angst vor Worten schon erlebt war und nur noch dumpfe Resignation zurückblieb — in diesem tiefen Schweigen trocknete Sofja Sacharowna die Teetassen und die Löffel ab.

Er aber saß halb vom Tisch abgewandt und kehrte Sofja Sacharowna und dem schmutzigen Samowar den viereckigen Rücken zu.

Zeit, was hast du gemacht?

Die hellgrauen Augen, die Augen voll Humor und schlauer Lustigkeit — wie hast du sie in den fünfundzwanzig Jahren in die Höhlen hineingedrückt, mit einem gefährlichen Schleier, mit einem Dunst allermöglichen häßlichen Atmosphären überzogen . . . Fünfundzwanzig Jahre ist wohl eine lange Frist, und doch: so zu verfallen, so zu verwelken . . . Diese dicken Säcke unter den Augen, dieses fleischige Doppelkinn? Die damals rosige Gesichtsfarbe — gelb, ölig, welk, mit der grauen Blässe einer Leiche; die Stirn mit Haaren bewachsen, die Ohren — selbst diese sind gewaltig gewachsen; gibt es doch in der Welt einfache, anständig aussehende alte Leute? Und er ist ja noch nicht einmal ein alter Mann.