Auch Schufte haben das Bedürfnis, sich ein Schwanenlied zu singen.
»Die Ve—erlok—kungen— früüheerer Taa—ge, sie sind deem Ent—täuschten freemd . . . Ich glau—beee den Schwüü—reen niicht mehr . . .«
»Ich glau—be—der—Liiebe nicht meeehr . . .«
Wußte er, was er sang? Und was er spielte? — Und warum er so traurig war? Warum seine Kehle sich schmerzhaft zusammenzog? . . . Lipantschenko verstand das ebensowenig, wie er die sanften Töne nicht verstand, die er aus der Geige hervorbrachte . . . Nein, sein Stirnknochen konnte es nicht verstehen: seine Stirn war schmal, mit Querfalten bedeckt: sie schien zu weinen.
So hat Lipantschenko an einem oktoberlichen Abend sein Schwanenlied gesungen.
Und? . . .
So!
Nun war er mit dem Singen und Spielen fertig; er legte die Geige auf den Tisch, wischte sich den Schweiß vom Gesicht; langsam wiegte sich sein unanständiger, spinnenartiger, fünfundvierzigjähriger Bauch; endlich nahm er ein Licht und begab sich in sein Schlafgemach; auf der Schwelle drehte er sich noch einmal um, seufzte und überlegte sich etwas; Lipantschenkos ganze Gestalt sprach eine dumpfe, heimliche Trauer.
Und — er versank in Dunkelheit.