»Anna Petrowna!«
Jetzt sah er sie deutlich (die Augen hatten sich an das Halbdunkel gewöhnt), und er sah: ihre Züge wurden, für einen Augenblick, wunderbar erhellt; aber dann verbargen sie sich wieder hinter Fältchen, Verdickungen, Fettpölsterchen; die klare Schönheit der Kindlichkeit in den Zügen hat der Vergröberung des Alters nicht standgehalten; für einen Augenblick aber wurde ihr Gesicht wunderschön; nämlich, als sie mit scharfer Bewegung das Teetablett von sich schob und ihm, dem Senator, mit einem unmerklichen Ruck gleichsam entgegenflog; und doch: sie rührte sich nicht vom Platz; von ihrem Platz warf sie dem Greis, der dort stand und mit den Lippen kaute, nur das eine zu:
»Apollon Apollonowitsch!«
Apollon Apollonowitsch lief ihr entgegen (so war er auch vor zwei Jahren ihr immer entgegengelaufen, um ihr zwei Finger zu reichen, und, sie rasch zurückziehend, sie mit Kälte zu übergießen); er lief zu ihr durch das Zimmer, so wie er gestanden war, im Mantel, mit dem Hut in der Hand; ihr Gesicht neigte sich gegen die Glatze; der große, wie ein Knie nackte Schädel und die zwei abstehenden Ohren riefen in ihr eine Erinnerung an etwas wach, und als die kalten Lippen ihre, vom verschütteten Tee nasse Hand berührten, wich alles Komplizierte aus ihren Zügen dem eindeutigen Ausdruck der Zufriedenheit: denken Sie sich — etwas Kindliches hüpfte spielend in ihren noch schimmernden Augen auf und verbarg sich wieder in ihnen.
Als er nun gerade vor ihr stand, trat seine Gestalt mit ausgesprochener Deutlichkeit hervor; ein lose am Körper hängendes Höschen, ein Mäntelchen von früher nie getragener Farbe, eine Menge neuer Fältchen im Gesicht, von denen zwei das ganze Gesicht durchquerten, und neue, unbekannte Blicke; doch erschienen ihr diese Augen jetzt nicht mehr wie zwei durchsichtige Steine; es lag in ihnen eine ihr unbekannte Kraft und Unbeugsamkeit.
Und diese Augen senkten sich; Apollon Apollonowitsch suchte nach Worten:
»Ich kam, um« — er hielt einen Augenblick inne —
— ?
». . . Ihnen meine Aufwartung zu machen . . .«
». . . und Sie zu Ihrer Rückkehr zu beglückwünschen . . .«