Was für Kostümeur?
Die Appartements Nikolai Apollonowitschs bestanden aus Schlaf-, Arbeits- und Empfangszimmer.
Das Schlafzimmer: ein riesiges Bett, darauf eine rote Atlasdecke; ein feiner Spitzenüberwurf über die hoch aufgeschlagenen Kopfkissen. An den Wänden des Arbeitszimmers eichene Bücherschränke mit Seidenvorhängen, die leicht auf ihren Messingringelchen nach links und rechts glitten; eine sorgliche Hand konnte den Inhalt der Fächer vor dem Beschauer verdecken oder aber eine Reihe von Einbandrücken sehen lassen, die mit der Aufschrift »Kant« geziert waren.
Die Sitzmöbel hatten dunkelgrünen Bezug, und herrlich war die Büste . . . eben desselben Kant natürlich.
Seit zwei Jahren stand Nikolai Apollonowitsch nie vor Mittag auf. Zweieinhalb Jahre vorher pflegte er aber in früherer Stunde zu erwachen: um neun; und um halb zehn erschien er in geschlossener Studentenuniform beim Familienfrühstück.
Vor zweieinhalb Jahren spazierte Nikolai Apollonowitsch nicht im bucharischen Schlafrock im Hause umher; das rote Käppchen hing nicht im orientalischen Salon; vor zweieinhalb Jahren verließ Anna Petrowna, die Mutter Nikolai Apollonowitschs, die Gattin Apollon Apollonowitschs, für immer den häuslichen Herd, inspiriert von einem italienischen Sänger. Nach ihrer Flucht mit dem Sänger erschien Nikolai Apollonowitsch auf dem Parkett des erkalteten häuslichen Herdes im bucharischen Schlafrock; die täglichen Begegnungen von Vater und Sohn beim Morgenkaffee hörten von selbst auf. Den Kaffee bekam Nikolai Apollonowitsch ins Bett.
Zu erheblich früherer Stunde als der Sohn geruhte Apollon Apollonowitsch seinen Kaffee zu trinken.
Vater und Sohn trafen sich nur bei Tische; und auch da nur ganz kurz; am Morgen aber sah man Nikolai Apollonowitsch im Schlafrock; seine Füße staken in pelzverbrämten, tatarischen Pantöffelchen, auf dem Kopfe aber hatte er ein rotes Käppchen.
Der glänzende junge Mann wurde zum orientalischen Menschen.
Nikolai Apollonowitsch hatte soeben einen Brief erhalten; einen Brief mit fremder Schrift; armselige Virsche von erotischer Nuance mit der verblüffenden Unterschrift: »Die flammende Seele«. Nikolai Apollonowitsch begann, um die Virsche genauer zu studieren, hilflos durchs Zimmer zu kreisen; nach der Brille suchend, warf er Bücher, Federhalter und andere Kleinigkeiten durcheinander und brummte vor sich hin: