»Es ist nichts, maman: ich bin ausgeglitten . . . mein Knie schmerzt ein wenig . . .«
»Sollte man nicht kalte Umschläge machen?«
»In der Tat, Kolenka« — Apollon Apollonowitsch führte den Löffel zum Mund und sah zugleich zum Sohn hinüber — »wenn man sich am Knie gestoßen hat — damit ist nicht zu spaßen: das kann unangenehm werden . . .«
Und — er schluckte die Suppe herunter.
Nikolai Apollonowitsch lächelte entzückend und begann seinerseits die Suppe zu pfeffern.
»Sonderbar ist doch das Muttergefühl« — Anna Petrowna legte ihren Löffel in den Teller, blickte mit großen, kindlichen Augen, den Kopf in den Hals gedrückt (so daß ihr Doppelkinn aus dem Stehkragen hervorquoll). »Ist er auch schon erwachsen, ich bin aber um ihn besorgt, wie in früheren Zeiten . . .«
Sie vergaß vollständig, daß es durch zweieinhalb Jahre jemand anderes war, um den sie sich gesorgt hatte: Kolenka war von einem anderen verdrängt gewesen, von einem Fremden, mit schwarzem, üppigem Schnurrbart, mit Augen wie zwei Kirschen; sie vergaß vollständig, daß sie diesem fremden Mann durch mehr als zwei Jahre täglich die Krawatte gebunden hatte; aus violetter Seide; und jeden Morgen ein Glas — Guniadi Janos zum Abführen gereicht hatte.
»Ja, das Muttergefühl: erinnerst du dich — als du deine Dysenterie hattest . . .«
»Sie meinen das mit den Brotscheibchen? Gewiß, ich erinnere mich sehr gut.«
»Ja, eben . . .«