Und einmal, während Lipantschenko da war, ergriff sie ihre Hutnadel und stach sich ins kleine Fingerchen.
»Sehen Sie, es schmerzt nicht, und es kommt kein Blut: ich bin aus Wachs . . . eine Puppe.«
Lipantschenko lachte und sagte:
»Sie sind keine Puppe, Herzchen.«
Erbost jagte ihn Engel Peri von sich. Er ergriff seine Ohrenklappenmütze und ging.
Sie aber fuhr fort, ruhelos durchs Treibhäuschen zu wandern, runzelte das Stirnchen, errötete, wischte die Scheiben; es eröffnete sich der Ausblick auf den Kanal und auf eine vorüberfahrende Droschke — nichts weiter.
Was aber weiter?
Die Sache war so: vor einigen Tagen kehrte Sofja Petrowna von der Baronin R. R. nach Hause zurück. Bei der Baronin R. R. hatte es an diesem Abend »geklopft«; weißliche Funken waren über die Wand gelaufen, und einmal hatte der Tisch einen Sprung getan: sonst nichts; aber Sofja Petrownas Nerven waren äußerst gespannt, und die Treppe zu ihrer Wohnung war nicht beleuchtet (in Häusern mit billigen Wohnungen werden die Treppen bekanntlich nicht beleuchtet): und im Dunkel der Stiege sah Sofja Petrowna ganz deutlich einen noch schwärzeren Fleck, der sie wie eine schwarze Maske anstarrte. Sofja Petrowna zog mit aller Kraft an der Glocke. Als sich die Tür geöffnet und ein Lichtstrahl die Treppe beleuchtete, schrie das Dienstmädchen Mawruscha auf und schlug die Hände zusammen: Sofja Petrowna sah nichts, denn sie rannte in die Wohnung hinein: Mawruscha aber hatte gesehen: hinter dem Rücken der gnädigen Frau stand ein roter Atlasdomino mit schwarzer Maske, die von einem Fächer aus ebenso schwarzen Spitzen umrahmt war; der rote Domino streckte Mawruscha seinen blutigen Ärmel entgegen, aus dem eine Visitenkarte hervorlugte; und als die Tür vor dem ausgestreckten Arm zugeschlagen ward, erblickte auch Sofja Petrowna die Karte, die wahrscheinlich durch die Spalte hereinflog; was war aber auf der Karte? An Stelle eines Wappens — ein Schädel mit Knochen und darunter in modernem Schriftsatz die Worte: »Ich erwarte Sie auf dem Maskenball« — Ort, Datum und weiter die Unterschrift »Der rote Narr«.
Den ganzen Abend war Sofja Petrowna in größter Erregung. Wer mochte sich als roter Domino verkleidet haben? Er natürlich, Nikolai Apollonowitsch: so hatte sie ihn ja einmal genannt . . . Der rote Narr war also gekommen. Wie war aber eine solche Handlungsweise einer wehrlosen Frau gegenüber zu nennen? War das nicht eine Gemeinheit?
Gemeinheit, Gemeinheit, Gemeinheit.