Er hatte Angst vor dieser Weite. Der Raum ängstigte ihn noch mehr als der Zickzack oder die gebrochene Linie; eine Dorflandschaft war ihm ein Schrecken: dort hinter Schnee und Eis, hinter der gewundenen Linie des Waldsaums, in der sich kreuzende Luftströme im Schneesturm rasen, dort wäre er einst einmal, einem Zufall zufolge, beinahe erfroren.
Es geschah vor fast fünfzig Jahren.
In jener damaligen Stunde des einsamen Erfrierens hatte er gefühlt, wie kalte Finger seine Brust durchbohrten und grausam streichelnd sein Herz berührten; jene frostige Hand geleitete ihn dann weiter; jener frostigen Hand folgte er in seiner Karriere, vor Augen immer die unheilvolle, unmögliche Ausdehnung; dort, von dort winkte immer die frostige Hand; von dort gähnte ihm entgegen — die Un—Unermeßlichkeit: Russisches Reich.
Ja: nun zum Porträt des Ministers . . . Öfters hatte er diesem gesagt:
»Rußland ist eine eisige Ebene, in welcher sich seit Hunderten von Jahren Wölfe umhertreiben . . .«
Der Minister hatte ihn mit samtweichem, liebkosendem Blick angesehen; mit der weißen Hand den gepflegten, grauen Schnurrbart streichelnd, schwieg er und seufzte. Der Minister hatte seine Ämter als ein qualvolles, opferheischend drückendes Kreuz getragen; er trug sich mit dem Gedanken, nach Beendigung des Dienstes . . .
Aber er starb.
Jetzt ruhte er im Grabe, und Apollon Apollonowitsch Ableuchow war nun ganz allein; hinter ihm verloren sich die Jahrhunderte, in der Un—ermeßlichkeit; vor ihm zeigte eine frostige Hand in die Un—ermeßlichkeit.
Un—ermeßlichkeiten flogen ihm entgegen.
Rußland, Rußland, dich sah er, dich!