Schlachtfeld von Kulikowo — ich harre deiner!

Aufgehen wird dann die letzte Sonne auch über meinem geliebten Land. Wenn du, o Sonne, nicht aufgehst, dann versinken, o Sonne, unter den schweren mongolischen Fersen die europäischen Ufer, und weiße Gischt wird diese Ufer bespritzen, die Erdgeborenen werden wieder auf des Ozeans Grund sinken — in das ureigene, in das längst vergessene Chaos . . .

Geh auf, o Sonne!

Geh auf!


Ein türkisblauer Durchblick glitt am Himmel hin; ihm entgegen flog durch die Wolken ein brennender Phosphorfleck, der sich plötzlich in die helleuchtende Mondscheibe wandelte; für einen Augenblick entflammte alles rundum: Wasser, Rinnsteine, Granit, die zwei Göttinnen über dem Viadukt, das Dach des vierstöckigen Hauses; hell blinkte die Kuppel des Issakijdoms; entflammt waren auch — des Reiters Angesicht und der Kupferlorbeerkranz; allmählich erloschen die Lichter der Inseln, und das zweideutige Fahrzeug inmitten der Newa erwies sich als ein einfacher Schoner; ein heller Punkt leuchtete funkelnd von der kleinen Kapitänsbrücke: vielleicht das Lichtsignal des rotnasigen Bootsmanns mit der holländischen Mütze, vielleicht die helle Laterne des wachthabenden Matrosen.

Einem Rußwölkchen gleich, löste sich der Halbschatten vom kupfernen Reiter, und schwärzer zeichneten sich auf den Steinen des Pflasters der buschhaarige Grenadier und der Reiter.

Die Schicksale der Menschen sah Alexander Iwanowitsch plötzlich von hellem Licht durchleuchtet: er vermochte klar zu erblicken, was einmal sein wird; er vermochte es jetzt zu erfahren, was nie geschehen kann: alles war deutlich; das Schicksal schien sichtbar geworden zu sein; doch in sein eigenes Schicksal zu blicken, davor bangte es ihm; erschüttert, ergriffen, sehnsuchterfüllt stand er davor.

Und — der Mond bohrte sich in eine Wolke hinein . . .

Wild jagend flogen die Flockenarme der Wolken dahin; neblige Hexenhaarsträhnen durchzogen die Höhe; und zweideutig tanzte dazwischen ein brennender Phosphorfleck . . .