»Nein, eine Frau aus Südtirol, ganz in der Nähe.«

»Und sind die Babys alle am Leben?«

»Vorläufig, ja.«

»Entzückend!«

Aber sie fand es schauderhaft und im höchsten Grade unsittlich. Die Stimme ihres Mannes, die laut und vernehmlich durch das Zimmer klang, beruhigte sie wieder. Er gab harmlose Schilderungen landwirtschaftlicher Verhältnisse, und als er sich trocken geredet hatte, ergriff eine Dame das Wort und hielt einen Vortrag über japanische Seide. Das waren alles ganz ungefährliche Dinge, und Frau von Kletten erhoffte sich einen gemütlichen Abend. Plötzlich aber fuhr sie erschrocken zusammen. Am unteren Ende war ein erregtes Gespräch entstanden, und ein junger Mann sagte: »Ein Arzt, ein Freund von mir, sitzt seit acht Monaten im Zuchthaus, weil er einen Patienten, der an einer äußerst schmerzvollen und absolut unheilbaren Krankheit litt, vergiftet hat. Zu bemerken ist, daß der Kranke seinen Tod wünschte ... Nun frage ich: Ist der Mann schuldig oder nicht schuldig?«

»Schuldig!«

»Schuldig nach dem Gesetz, und das Gesetz ist das Oberste ...«

»Schuldig nach der Religion, und die Religion ist unfehlbar ...«

»Ja, schuldig, denn es ist ein Mord.«

»Und was sagen Sie, mein Herr?«