Stephan wurde feierlich zumute, und mit dem Hute in der Hand strebte er der Tiefe zu. Manchmal blieb er stehen, um zu schauen, ob man ihn vielleicht gesehen habe und ihm entgegenkam. Aber es zeigte sich niemand. Der ganze Grund war wie verzaubert, so menschenlos, so seltsam still.
»In Ehren halten,« sagte Stephan leise, »lebenslänglich in Ehren halten.«
Dann schrak er plötzlich heftig zusammen.
Unten schlugen die Hunde an, kläfften und heulten und rissen wild an ihren Ketten. »Herrgott!« aber was gab es da zu erschrecken? Er war doch kein Dieb. Er war der Klausenbauer, der freien kam ... Kein Klausenbauer freite noch umsonst. Die Türen taten sich von selbst auf, wenn er kam. Ja, alle Türen ...!
Und Stephan kniff die Lippen ein und schaute starr nach einer Richtung. Nach einer Richtung, wo auf der anderen Seite des Berges unter Tannen und Lärchen eine Villa stand, eine Villa mit Erkern und Gesimsen, mit Bildern und mit Sprüchen und mit einer Tür, die sich ihm nie auftun würde ... nie ... nie ...
»Nein, so eine Freude,« sagte der alte Müller, der im säuberlichen Sonntagsanzug jetzt aus der Türe trat. »Ihr habt wohl Korn zum Mahlen, junger Klausen?«
»Ja ..., auch Korn zum Mahlen.«
»Also noch etwas. Das ist schön. Aber kommt herein, Ihr seid ja schon eine Ewigkeit nicht dagewesen.«
Und der Alte machte die Türe weit auf, stolz auf den Besuch, den er mitbrachte. Sie schritten an den kläffenden Hunden vorbei, über einen sauber gehaltenen Hof, in dem die Müllerin stand und beflissen grüßte. Und als sie in die traulich durchwärmte, wohlaufgeräumte Wohnstube traten, kamen höflich knixend die beiden älteren Töchter, kam, freudig erschrocken und schelmisch grüßend Agnes, das lieblichste Müllerkind.
Hei, wie groß sie geworden war!