Schweigend drehte sie den Faden an, und Stephan fiel plötzlich ein, daß er draußen etwas nachschauen müsse. Eilig erhob er sich. Draußen hatte sich ein scharfer, schneidender Wind erhoben, der von den Bergen niederfuhr und wütend gegen den Hof prallte. Aber rückwärts, an der Scheune, stand die Windmühle, kampflustig, kampfgerüstet, wartend wie ein Recke auf den andern, und gleich darauf wälzten sich Wind und Mühle in heulender Umarmung. Stephan stand neben dem kleinen, matterleuchteten Fenster, und unwillkürlich blickte er hinein. Da sah er, daß Maria weitvornüber gebeugt im Stuhle saß, die Arme auf dem Schoß, den Kopf auf den Armen, und manchmal ging ein Stoß durch ihren Körper, ein Stoß, als ob sie weinte ...

Da schaute er weg und schaute hinüber zu der Villa. Sie stand unter den schneegebeugten Fichten, weißbehangen, bläulichschimmernd, wie ein leibgewordnes Märchen ...

Aber Stephan dachte an den Vater, wie er blutüberströmt im Bette lag, an Maria, wie sie in der Stube saß und weinte, an sein eigenes grimmes Weh, und plötzlich hob er die Arme wie in einer mächtigen Verzweiflung und sagte:

»Du Unglückshaus!«

Fünfzehntes Kapitel

Ein Töpfchen allerfeinsten Honig, aufgespart und aufgehoben den ganzen Sommer für Therese. Und als Maria ihn jetzt sorgfältig verpackte, fragte sie:

»Irgendetwas auszurichten, Mutter?«

»Ja ... einen schönen Gruß ... und, warte, Maria ...,« die Bäuerin zögerte und wollte nicht heraus mit der Sprache, »... schau dich ein wenig um bei ihr ... Du weißt schon, was ich meine.«

»Ja.«

»... Hauptsächlich unter dem Vieh. Und frag sie auch über die Ernten.«