Und Maria sagte voll heimlichem Stolz:
»Ich glaube, er ist draußen.«
... Ja, Stephan war draußen, war draußen, kühlte sein glühendes Gesicht mit Schnee und schaute hinüber zu der Villa, die unter den schneegebeugten Fichten stand, weißbehangen, bläulichschimmernd, wie ein leibgewordnes Märchen. Und Stephan schwenkte das weiße Weihnachtskärtchen dagegen, schwenkte es in tollem, brausendem Jubel und rief:
»Du leuchtendes Haus! du leuchtendes Glückshaus! du Haus voll Glück! ...«
Siebzehntes Kapitel
Nun konnte das aber nimmer so weitergehen mit dem alten Ratterkasten! Die ganze wackelige Bude mußte niedergerissen werden bis auf den letzten Stein; und ein Haus muß erstehen von solcher Ausdehnung und Schönheit, wie es kein Bauer in Tirol besitzt.
Und gleich mußte damit begonnen werden, daß es bis zum Sommer fertig ist ... bis zum Sommer ... und Stephan warf den Kopf zurück und blähte die Nasenwände wie ein heißblütiges Pferd.
Dann ging er mit großen Schritten um den Hof herum, prüfte mit Genugtuung die alten, rissigen Mauern, rüttelte an Pfählen, die schon lose staken, daß sie ganz einfielen, und richtete soviel Schaden an, als er ungesehen und unauffällig anrichten konnte.
Darauf ging er mit hochgezogenen Augenbrauen in die Stube und redete der Bäuerin zu, sich einmal den Hof anzusehen. Er sei so sehr schadhaft, daß er morgen oder übermorgen einstürzen werde, wenn man nicht schleunigst zum Maurermeister nach Bozen schicke ...
Die Bäuerin ließ ihn ruhig ausreden, aber als er fertig war, sagte sie: »Dich hat der Hochmut gepackt, Stephan. Du meinst, weil du lesen und schreiben kannst, ist der Hof für dich nicht mehr gut. Höre, Stephan ... es gibt Leute, die gescheit sind, und Leute, die gescheiter sind. Und es gibt Leute, die ehrsam sind, aber keine Leute, die ehrsamer sind, denn die Ehrsamkeit hat nur ein Kleid. Was ich also meine, ist: du bist gescheiter als dein Vater war, aber ehrsamer bist du nicht, und wenn der Hof gut war für deinen Vater, muß er auch gut sein für dich. Darum will ich es nicht haben, Stephan, und so lange ich lebe, kommt kein Stein von dem andern.«