... Aber die Mutter weinte nicht, denn noch ehe die Antwort kam, fand man sie eines Morgens kalt und steif in ihrem Bett. Da schien es, als ob alle Freude und alle Wärme im Klausenhof mit ihr gestorben sei, und Maria weinte zum erstenmal wieder an Stephans Schulter, und Stephan strich ihr leise übers Haar. Therese wurde verständigt, aber nur der Schwager kam.

Neben Theresens Bett stand seit ein paar Tagen eine sorgsam zugehüllte Wiege, und Therese war noch viel zu schwach, um den steilen Berg heraufzukommen.

Ernst und traurig trugen sie die Klausenbäuerin am dritten Tag zu Grabe. Die Bauern waren aus nah und fern erschienen und schritten im langen Zug hinter dem weinenden Gesinde.

Es war bitter, an einem so schönen Frühlingstag, wo tausend und abertausend grüne Spitzen aus eigenem Grund und Boden drängten, ins Grab gesenkt zu werden. Das empfanden sogar diejenigen, die die Klausenbäuerin vielleicht nur einmal, vielleicht nie gesehen hatten, und des Betens und des Weinens ward kein Ende. Beim Totenmahl, bei Wein und Brot, erholten sich die Gäste dann ein wenig. Aber die Knechte und die Mägde schluchzten weiter, und auch Maria weinte unaufhörlich.

Nur Stephan, jetzt der unumschränkte Herr am Klausenhof, zeigte sich ruhig und gefaßt. Umsichtig ging er von dem einen zum andern, fragte die Männer nach ihren Feldern, die Frauen nach ihren Kindern, und die Leute wunderten sich insgeheim, was für ein lieber, feiner Herr der junge Klausen geworden sei.

Ja fein, denn selbst diese einfachen Gemüter merkten den Abstand zwischen ihm und ihnen. Groß, fremd, blond, wie einer, der gar nicht zu ihnen gehört, sah er aus und war doch wieder so voll Verständnis für alle ihre Sorgen, daß die Scheu vor seiner Vornehmheit unwillkürlich schwand vor seiner Güte.

Ja, gut war er ... und ledig auch ... und in den Jahren auch ...

Und die Bäuerinnen, die schöne Anwesen und ältliche Töchter zu Hause hatten, zerbrachen sich auf dem Heimweg den Kopf, wie es anzustellen wäre ... denn der Klausenhof brauchte jetzt eine Bäuerin, das war klar ...

Achtzehntes Kapitel

Auch Stephan wurde das allmählich klar. Mit jedem neuen Tag spürte er deutlicher und deutlicher, daß das nicht, wie er immer glaubte, seine eigenste Sache, sondern auch Sache des Hofes sei. Allerdings, da war Maria. Tüchtig, pünktlich, umsichtig und fest hinter dem Gesinde wie die Mutter. Aber es war doch nicht dasselbe. Das merkte man da und dort und überall. Mit den Leuten hatte es auch schon einige Male Zwistigkeiten gegeben, und der älteste Knecht, der seit dreißig Jahren auf dem Hofe war, wollte gehen.