»Was hast Du mit ihr vor?«
Und da hätte ich ihm jedesmal die Blumen zeigen mögen, die ich noch immer bei mir trug ... als Zeichen ...
Ja, so eingebildet und töricht war ich damals, Maria, daß ich glaubte, ich wäre gut ...
Das ist jetzt alles vorüber, und Du wirst es mir verzeihen.
Auch die Blumen darf ich Dir jetzt geben, und Du darfst sie nehmen, denn wenn Du sie hast, sind sie von einem Toten und fordern keine Gegengabe. Vergib mir das Leid, das ich über Dich gebracht habe, und vergiß nicht, daß Du bei mir warst bis ans Ende.
Hugo von Rotenau.«
Wieder und wieder las Maria den Brief, und vieles darin konnte sie nicht verstehen. Aber allmählich wurde ihr klar, daß dieser fremde Mann, dessen Namen sie heute zum erstenmal erfuhr und der gestorben war, sie wußte nicht wann und wo, außergewöhnliche Lebensbedürfnisse mit erschütternder Größe verband, und daß er, von niemand verstanden, auch niemand geliebt haben konnte. Aber trotzdem er tot war, wie reich hatte er sie noch im Tode gemacht ... Sie lächelte leidvoll, raffte mit bebenden Händen seinen Brief, seine Blumen zusammen und trug alles in ihre Kammer.
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Stephan tat das Unglaubliche und kam auch über die Weihnachtstage nicht herunter. Maria hatte ernste Sorge um ihn und dachte mehr als einmal daran, einen Knecht hinaufzuschicken. Aber dann fürchtete sie wieder, daß Stephan es als Spionage ansehen könnte und es übel nehmen würde. Sie hatte in der letzten Zeit Angst vor ihm bekommen, weil er oft bei ganz unbedeutenden Anlässen in der bittersten Weise aufgefahren war. Nein, man durfte ihn nicht reizen, er war der Herr ...
Der Altknecht aber war erbittert und ergrimmt über den jungen Klausen und machte ein Ende.