»Er wolle nicht mit ansehen, wie der alte Hof zugrunde ginge. Er nicht ...«
Das sagte er Maria frei heraus und ließ sich dieses Mal nicht halten. Sie versuchte es auch nicht. Mochte er in Gottes Namen gehen. Es gab andere Knechte. Dieses ewige Gezänke brachte das Ansehen des Hofes herab. Gott sei Dank, die Klausen bekommen Leute soviel sie wollen ... Freilich, der Vater täte sich im Grabe umdrehen, wenn er wüßte, daß der Altknecht geht. So ein braver, fleißiger, treuer Mensch ...
Aber sie blieb doch fest während der ganzen Kündigungszeit und ließ ihn gehen. Um Neujahr herum kam der neue. Der machte große Augen, als er hörte, daß der Bauer auf der Alm sei.
Jetzt, um die Zeit ...? Aber er sagte nichts und arbeitete fleißig.
Maria fiel ein, daß sie nun einen Grund hätte, um Stephan einen Zettel zu schicken. Ungefähr so:
»Der Altknecht ist fort und der neue Knecht noch nicht eingearbeitet. Vielleicht wäre es gut, wenn Du kämest.«
Sie schrieb es sogar nieder, dann aber zerriß sie das Papier wieder. Nein, lieber nicht. Wenn er da war, fing der alte Zustand wieder an. Beisammen sitzen die ganzen Abende und nichts reden. Oder lügen ... Freilich war es mit ihr jetzt anders. Sie quälte nichts mehr. In ihrem Herzen war es still und licht. Aber es ihm sagen? Nein! ... oder ihm den Brief zeigen? Nie! ...
Sie war zu Ende gekommen, er wird auch zu Ende kommen.
So etwas muß jeder allein ausringen, helfen kann da niemand. Und vielleicht wird er eher fertig damit, da oben in der reinen Höhe. Währenddem half sie ihm da unten. Ja, sie konnte ihm ein wenig helfen. Den Hof konnte sie für ihn verwalten während der bösen Zeit, damit er ihn in alter Ordnung findet, wenn er wiederkommt. Denn er wird wiederkommen. Vielleicht früher, vielleicht später, aber er wird wiederkommen ...
Und Maria schob die brennende Sorge um die Zukunft weit zurück und versah ihr Amt mit doppeltem Eifer. Es galt, da zu sein, dort zu sein und überall zu sein. Das Gesinde hatte seit dem Abgang des alten Knechtes stark nachgelassen, und der neue Knecht war fleißig, aber er trank. Das war eine böse Sache.