Einmal stellte sie ihn zur Rede, aber anstatt grob zu werden, was sie als doppelten Anlaß zur Kündigung erwartet hatte, fing er zu weinen an und versicherte, es nie wieder zu tun. So behielt sie ihn weiter, aber sie lebte in beständiger Unruhe, daß irgend etwas passieren könnte. Ein Streit vielleicht. Wenn die Leute den Wein in sich haben, fahren sie herum wie Teufel und sind gleich zur Hand mit dem Messer.

Und Stephan kam nicht.

Dafür aber kam eines Tages Nachricht von Therese.

Auf schmutzigem Papier eigentümlich bedrückende Worte:

»Wenn möglich, komme. Es geht nicht gut.«

Maria war überrascht und erschrocken. Sie nahm den Boten in die Küche, setzte ihm Brot und Wein vor, wollte ihn nach dem Vieh ausfragen und getraute sich doch nicht. Endlich schämte sie sich ihrer Feigheit und sagte tapfer:

»Da hat's wohl im Stall ein Unglück gegeben ...?«

Aber der Bote aß und trank, schüttelte den struppigen Kopf und meinte, er wisse von nichts. Darauf fühlte sich Maria ein wenig erleichtert und schrieb an Therese, daß sie ja gerne kommen würde, aber Stephan sei nicht da, und sie könne den Hof unmöglich allein lassen. Wenn aber etwas Dringendes sei, wolle sie trotzdem kommen. Damit schickte sie den Boten zurück und wartete voll Bangigkeit auf die Antwort. Sie wartete drei Tage, und da kam derselbe Bote wieder. Er gab Maria einen Fetzen mit Bleistift beschmiert:

»Komme trotzdem!«

Da wußte Maria, daß irgend etwas geschehen sein mußte, und sie sandte Nachricht, daß sie kommen würde. Hastig traf sie ihre Vorbereitungen und dachte auch daran, um Stephan zu schicken. Aber sie tat es doch nicht. Bis jemand oben ist, dachte sie, und Stephan unten, vergeht beinahe ein Tag, und bis dahin bin ich auch wieder da. Aber gerade als sie in ihr großes, dunkles Tuch gehüllt über den Hof schritt, kam Stephan daher. Im ersten Augenblick konnte sie es nicht glauben, aber dann flog sie ihm mit einem erlösten Aufschrei entgegen.