Da aber wandte sich die Alte um, senkte ihre großen, wunderbaren Augen voll in Marias Augen und sagte ernst und freundlich:
»Und sonst wolltet Ihr nichts fragen?«
Da errötete Maria über und über, setzte sich in den Stuhl, haschte nach der alten, runzeligen Hand, die an der sauberen Schürze niederhing, und sagte:
»Doch ... doch ... ich wollte Euch fragen, Mutter Geisler, was Ihr von einer Bäuerin haltet, die nach den Leuten aufsteht, nicht mit ihnen ißt und ihre Sonntagskleider an Wochentagen trägt?«
Atemlos, verwirrt hatte sie geredet, und als sie jetzt schwieg, empfand sie das Gefühl, als wäre ein großer Lärm gewesen, den sie verursacht hatte. Mutter Geisler aber sagte:
»Das ist eine leichte Frage und braucht nur eine leichte Antwort. Aber ich will Euch eine kleine Geschichte erzählen:
Zu einem Einsiedel kam einmal eine Bäuerin und klagte ihm, daß seit dem Tode ihres Mannes alles abwärts gehe. Da gab er ihr ein kleines Kästchen und sagte, sie müsse dieses Kästchen ein ganzes Jahr lang zwölfmal bei Tage und zwölfmal bei Nacht in alle Winkel des Hauses tragen, darauf werde es sicher besser gehen. Die Bäuerin glaubte dem frommen Mann und trug richtig das Kästchen zwölfmal bei Tage und zwölfmal bei Nacht im ganzen Haus herum. Da fand sie schon in der ersten Nacht die Knechte im Keller beim Wein, und in der Küche schmorten sich die Mägde gelbe Eierkuchen ... fangt Ihr an, etwas zu merken? ...«
»Ja, Mutter Geisler ... der Einsiedel meinte, sie müsse sich kümmern ... Tag und Nacht um die Leute und die Wirtschaft kümmern.«
Die Alte nickte, und Maria dachte an den zweiten Ausweg.
»Seid nicht böse, Mutter Geisler ... ich möchte Euch noch etwas fragen, was würdet Ihr tun, wenn Ihr einen Hof hättet ... ich meine schon von altersher ... einen Hof, den Eure Väter gehabt haben, den sie Euch übergeben haben, daß Ihr ihn betreuet und die Namen und die Art der Väter weiter zwischen seine Wände pflanzet ... und wenn es Euch plötzlich einfiele, daß Ihr etwas anderes möchtet ... ich weiß nicht was ... aber etwas anderes ... vielleicht sogar den Hof hergeben ... was würdet Ihr da tun, Mutter Geisler ...?«