Jetzt antwortete die Alte nicht so rasch wie vorhin, sondern redete langsam und mit Bedacht.

»Das ist keine leichte Frage. Vieles müßte geprüft und erwogen werden. Aber eines deucht mir ganz klar: Wo ein Hof ist, muß ein Bauer sein. Der Bauer gehört zum Hof ... und da gibt's noch ein Sprichwort, das heißt: Schuster bleib bei deinem Leisten ...«

Sie schwieg, und Maria fielen plötzlich auch die Worte ein, die Therese an ihrem Hochzeitstag gesagt hatte:

»Der Klausenhof ist kein gewöhnlicher Hof. Ich glaube, im ganzen Lande gibt es keinen, den man damit vergleichen könnte. Und wenn man denkt, wie er gehalten wurde ... vom Vater, vom Großvater und von den andern ... Und jedes von uns tat sein Teil daran und ist ein Teil davon ...«

Nein! es gab keinen Ausweg. Armer Stephan ...

Sie stand auf und drückte der alten Frau fest beide Hände.

»Ihr seid so stolz und wollt kein Geld. Aber wenn Ihr doch einmal etwas brauchen solltet, so vergeßt nicht, daß Ihr im Klausenhof immer willkommen seid ... und dann noch etwas,« sie zögerte, und es dauerte lange, »... sagt der Toni, wenn Ihr sie wiederseht, ich und Therese, und wir alle schicken ihr einen Gruß.«

Und ohne eine Antwort abzuwarten eilte sie hinaus.

Vierundzwanzigstes Kapitel

Im Klausenhof herrschte, seit Stephan wieder da war, musterhafte Ordnung. Die alte Zucht, die sich in den letzten Monaten stark gelockert hatte, kam wieder zum Vorschein, und das war nicht zu wundern, denn Stephan ging an Unachtsamkeiten nimmer mit verträumtem Blick vorbei, sondern sah das kleinste Vergehen und verfiel selbst über unbedeutende Dinge in eine sinnlose Wut. Das Gesinde duckte sich scheu zusammen, wenn es den jungen Bauer nur von weitem sah, und der neue Knecht fürchtete ihn, daß er zu zittern begann wie ein grausam geprügelter Hund.